Morgens um 4.00 Uhr klingelt der Wecker. Ich hätte schon um 24.00 Uhr loslaufen können; schweissnass und unruhig wollte ich nur noch los und war froh, als es endlich soweit war.
Der sympatische Hüttenwart war schon um 4.00 Uhr morgens gnadenlos und hat uns zwei Finsteraarhornhütte-Greenhorns schonungslos entlarvt, sehr zur Freude der anwesenden 'alten Hasen'. Nun wissen wir, dass Kaffee, Tee und Brot an den Tisch serviert wird und aus Kacheli wie zu Grossvaters Zeiten und nicht aus Tassen getrunken wird. Mir war das Kacheli durchaus sympatisch, nicht aber der geistige Frühsport. Wie auch immer, wir haben uns auch ein bisschen amüsiert - es blieb uns auch nichts Anderes übrig.
Um 5.00 Uhr gings im Schnee mit unseren Brettern los über harte und steile Partien. Der Frühstücksplatz 3616müm war schnell erreicht, der Wind nahm mit zunehmener Höhe zu und auch die Temperaturen wurden immer frischer. Vom Frühstücksplatz glaubt man den Hugisattel 4088müm in greifbarer Nähe. Nur der Narr lässt sich täuschen; die Karte hat immer recht...
Wir waren froh, dass wir zur ersten von drei Gruppen gehörten, sodass wir zwar am Morgen eine Stunde früher raus mussten, dafür standen wir aber bereits am Nordwestgrat und mussten nicht mit viel Stau rechnen. Nach luftiger Kletterei in besten Verhältnissen (teilweise hervorragender Trittschnee) erreichten wir den Gipfel ohne grössere Schwierigkeiten. Steigeisen und Pickel erwiesen ihren Dienst.
Der Abstieg gelang uns recht zügig, auch wenn wir nun zahlreichen Aufsteigenden auswichen und diesen Platz machten. Die anschliessende Abfahrt gestaltete sich als abwechslungsreich, denn wir befanden uns mal in einem totalen White-out, mal in absoluter Wolkenfreiheit. Und zwar nicht von Minute zu Minute, sondern innerhalb von einigen wenigen Sekunden änderte die Situation komplett.
Um ca. 10.45 Uhr standen wir zu unserem Erstaunen bereits wieder in der Hütte, nur 6 Stunden nach dem Start auf insgesamt 1200Höhenmeter. Da ich mich für diese Tour auf mein absolutes Nahrungsminimum einliess (2 Riegel, 1 Geltube, Halbe Tafel Schokolade, einige Traubenzuckerstückchen), knurrte mein Magen. Gerade mal zwei kleine Traubenzuckerstücken, einenSchluck Tee und zwei Feldli Schokolade hatte ich dem (scheinbar) streng rationierten Esssäckli entlockt. (Hinweis: Für 3 Tage hatte ich 2 Tafeln Schokolade, 6 Riegel, Traubenzucker, Käse und Bündnerfleisch dabei. Zurückgebracht hatte ich praktisch alles. Ich nahm mir vor, bei den nächsten Touren weiterhin meine Essensrationen abzuspecken.)
Die Finsterirösti war ein Meisterwerk des Hüttenchefs, gut portioniert und zu gut, um wirklich genug davon zu kriegen. Wer auf der Finsteraarhornhütte ist und diese Finsterirösti nicht probiert, hat wirklich etwas verpasst...! Diese Rösti gehört auf die Liste der 100 Dinge, die man in seinem Leben mal gemacht haben muss :)
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Am Montag 28.05.2012 stand ein "toller" Tag bevor: Zurück zum Jungfraujoch. Mit zwei tollen Touren liess sich dieser sehr lange Rückweg erstaunlich locker und gut angehen. Nach einem Anstieg und Abfahrt von der Grünhornlücke erreichten wir den Konkordiaplatz, wo eine verzweifelte Italienierin unseren Schutz suchte. Offenbar hat ihre Kollegin, mit der sie von der Konkordiahütte zum Joch wollte, sie im Stich gelassen. Ja, man kann offenbar wirklich bei Tageslicht jemanden auf dem Konkordiaplatz verlieren, die Italienerinnen machten es vor...! Luisa, wie wir herausgefunden haben, erblickte ziemlich bald in weiter Ferne eine Person, die aber gemäss ihrer Auskunft nicht ihre Kollegin sein konnte, denn diese sei ausschliesslich langsam unterwegs. Pirmin wollte wohl Luisas Kondition testen, denn er legte ein zügiges Tempo vor. Luisa folgte, sprach nicht wenig und wenn dann über Pirmins lange Beine (wohl wollte sie damit wohl etwas Anderes mitteilen... :) ). Erstaunlicherweise entfernte sich die einzelne Person immer mehr von uns. Nein, Luisa war sich sicher, das konnte nicht ihre Begleitung sein.
Einige Zeit später stellte sich dann auf dem Joch heraus, dass diese Person vor uns, die noch schneller als wir lief, tatsächlich ihre Bekannte war. Ich möchte nicht wissen, was die beiden nach dem Zusammentreffen alles besprochen haben. Die Situation, dass beim Runterfahren vom Joch beide in einem unterschiedlichen Abteil sassen, sprach jedenfalls Bände. :)
In knapp 5h erreichten wir von der Finsteraarhornhütte über die Grünhornlücke das Joch. Pirmin hat seine "Berner Oberländer - Taufe" mit Bravour bestanden und reiste mit einem breiten Grinsen nach Hause.
Stai bain Pirmin, grazia vetg + sin seveser!
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| Morgenstimmung, Blick ins Wallis |
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| Hugisattel, Grat zum Gipfel |
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| Kurz vor dem Gipfel |
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| Geschätzte 80 Personen waren an diesem Tag auf dem Gipfel |
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| Lauteraarhorn mit Südcouloir |
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| Bei warmen Verhältnissen geht hier irgendwann ordentlich die Post ab... |
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| An nächsten Morgen, unterwegs zur Grünhornlücke |
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| Dreieckhorn, verdeckt Aletschhorn, Lötschenlücken. Vom Grünhornpass Blick gegen Lötschental (West) |
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| Morgenstimmung am Finsteraarhorn |
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| Luisa und Pirmin |
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| Aletschhorn und Haslerrippe |
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| 180° Panorama |
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| 360° Panorama |
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| Jungfraujoch - Sphinx |