Nach langem Hin und Her seitens der Organisation kam die geplante Expedition zum Elbrus doch noch zustande. Voller Vorfreude und mit grosser Motivation trafen wir uns am Flughafen: 3 Teilnehmer und unser Bergühreraspirant Michael Imhof aus Matten b. Interlaken. Es sei hier vorweg genommen, dass er seine Arbeit stets vorzüglich und zu unserer vollsten Zufriedenheit verrichtete und uns sicher zum und vom Elbrus führte. Danke dir Michel für die tollen Erlebnisse am Berg!
Am Freitag dem 13. April war es soweit und trotz - oder wegen - des speziellen Datums klappte alles reibungslos: Einchecken, Gate finden, Boarding, Abflug in Zürich, Landung in Moskau. Die erste N8 verbrauchten wir in Moskau in einem dem Flughafen nahen Hotel, denn unser nächster Flug von Moskau in den Süden nach Mineralnye Vody war erst auf den Samstag 14. gebucht.
Am Samstag dem 14. April wurden wir gleich nach der Landung in Mineralnye Vody von unserem russischen Agenten Victor Nikolaev abgeholt und in langer und unterhaltungreicher Fahrt ins ca. 200km entfernte Assau im Baksantal gefahren. Zwischendurch legte sich ein Hund mit unserem VW-Bus an, das in einem kurzen Knall aber zum Glück für den Hund nicht tödlich endete. Ein militärischer Kontrollposten irgendwo im nirgendwo brachte automatisch Ruhe in unseren fahrbaren Untersatz: Der Kerl mit dem Camouflage-Anzug sah bedrohlich aus, oder zumindest seine Kalaschnikov.
In Assau logierten wir während einigen Tagen im Hotel, da dies dort die einzige Übernachtungsmöglichkeit war. Das Baksantal präsentierte sich als interessantes und geologisch andersartiges Tal, das jedoch der modernen Zeit einige Jahre hinterherhinkte. So erstaunte es kaum, dass die Einheimischen unter einfachen Verhältnissen lebten, während wir im Vergleich dazu im Hotel nahezu übermoderne Verhältnisse antrafen.
Nach einer ersten N8 im weichen Bett des Hotels wurde unser Durst nach Ski und Schnee am Sonntag 15. April für kurze Zeit gestillt. In abenteuerlicher Manier fuhren wir mit der altertümlichen und nicht gerade vor Sicherheit strotzenden Seilbahn eine Station höher. Dort angekommen staunten wir ob der "Qualität" der kompletten Liftanlage und waren erleichtert, dass wir gegen Ende dieses Akklimatisationsauftiegs mit den Skis und nicht der Bahn den Weg nach Terskol in Angriff nahmen. Nach ca. 1000hm kehrten wir im Regen nach einem kurzen Boxenstopp in einem Restaurant bei der Mittelstation nach Terskol zurück, wo wir auf dem lokalen Markt nahezu gezwungen waren, diverse selbstgemachte "Köstlichkeiten" auszuprobieren. Allerdings mussten wir keine gute Miene zu bösen Spiel machen, da die gekosteten Produkte besser waren, als sie aussahen. Nach dem zeremoniellen Fotoshooting mit den Einheimischen verabschiedeten wir uns und zogen uns in unsere Bleibe zurück.
Die folgenden Tage verbrachten wir mit erneuten Akklimatisationsaufstiegen, russischer Kultur (Saschlick, lokales Bier etc.) und feilschen auf den an der Talstation der Bergbahn logierenden Märkten. Im Laufe unseres Aufenhaltes hatten wir insgesamt 7 Paar Socken ersteigert, die unseren Bekannten in der fernen Schweiz eine Freude oder zumindest warme Füsse bescheren sollten. Es sei hier ausdrücklich vermerkt, dass meine Freundin sich zwar mir gegenüber über dieses Wärme spendende Goodie freute, diese Socken allerdings noch nie in meiner Gegenwart angezogen hat. Ich schiebe dieses "Versäumnis" auf die warmen Temperaturen, die das Tragen dieser Socken überflüssig macht. Ob dies wirklich der wahre Grund ist, wird sich spätestens nächsten Winter zeigen...
Nach zahlreichen Akklimatisations-Aufstiegen in eisigen Temperaturen mit ausserordentlich viel Wind war es soweit, dass wir am Mittwoch 18. April von unserem "Advanced Base Camp" auf 3700müm - eine aus drei Containern bestehende Bleibe in russischen Stile; ein Container = Küche, ein Container = Schlafen, ein Container = WC - zum Gipfel aufbrachen. Ab 4400müm mussten wir leider die Skis demontieren und sie gegen Steigeisen eintauschen. Das bis zum Gipfel praktisch durchgehende 30° steile Gelände war praktisch vollständig mit grossen Eisfeldern überzogen, sodass sich ein Aufstieg mit Skis nicht anerbot.
In eisigen Temperaturen liefen wir die ganze Zeit gegen den Gipfel und ein heftiger Sturm verunmöglichte ein rasches Vorankommen. Roman, unser russicher Bergführer, kennt den Elbrus besser als seine Westentasche, doch auch er musste sich eines Hilfsmittels bedienen: Praktisch ununterbrochen steuerte er mit seinem GPS-Gerät den Gipfel an, da die Sicht weitgehend weniger als 20m betrug und heftige, eisig kalte Winde die Temperaturen um -30°C die Sache auch nicht erleichterten. So kam es, dass wir den Zeitplan unmöglich einhalten konnten und auf dem Sattel zwischen Ost- und Westgipfel auf 5300müm, wo die Winde nochmals einen Zahn zugelegt hatten, umkrehren mussten. Der Elbrus war an diesem Tag ebenso unfreundlich wie das Wetter während der ganzen Woche: Wind, Schneefall, Regen, Graupel, Blitz und Donner bereitete uns keinen einzigen Moment, an dem wir unser eigentliches Ziel, den mit 5642müm höchsten Gipfel des Kaukasus, den Elbrus, einmal in Natura sahen. Nur selten sahen wir die Sonne, denn oberhalb von ca. 4000müm hatte es mehr oder weniger konstant einen Wolkendeckel, der sich nur selten lichtete.
So erstaunte es kaum, dass wir am Freitag, dem Tag unserer Heimreise nach Zürich, den schönsten Tag der Woche hatten: Wolkenlos, strahlend schönes Wetter, wunderbare Morgenstimmung etc... was will man mehr ....
Fazit:
1) Diese Woche war trotz des ausbleibenden Gipfelerfolgs eine super Aktion! Unser Agent Victor war unser Mann der Stunde; Ohne seine gütige Arbeit und freundliche Art wäre es praktisch unmöglich, in diesem moskau-fernen Tal etwas zu bewerkstelligen (Visum einholen, Hotelgeschichten erledigen, Bahntickets lösen und und und). Wer eine Reise in den Kaukasus, ins Pamir- oder Tien Shan - Gebirge buchen will, soll doch mal bei Tom Zwahlen CH vorbei schauen (
http://www.bergfalke.ch) oder Viktors Website besuchen.
http://www.elbrus-top.com
2) In einen Skoda Oktavia Kombi bringt ein Russe 5 Personen inkl. 5 Paar Ski, 4 grossen North-Face - Duffels.
3) Ein kleiner Lada als Taxi eignet sich auch dann bestens, wenn der russische Bergführer dem Taxifahrer von 4 Gästen berichtet, sich aber selber dabei vergisst miteinzuschliessen. Aber auch hier hat der geschickte Russe eine Lösung: 6 Personen mit je einem Rucksack (ausser Taxifahrer) und 5 Paar Skis werden auch hier passend gemacht und die Fahrt wird somit sicherlich nicht langweilig...
4) Nach einer Woche Russland wird man zum stillen Trinker und so verwundert es nicht, wenn die Schweizer Bergsteiger am Flughafen in Moskau mehr als eine Flasche Vodka heimführen..
Die Bilder stammen von verschiedenen Teilnehmern. Allen sei dazu ein Dank gewidmet, verbunden mit dem Dank an die tollen Erlebnisse! Urs, Beat und Michel, tangga viil mool :)
PS: Wer nicht scrollen will, klickt das erste Bild an und reise so durch die Bilderabfolge.
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| Russischer Kontrollposten irgendwo im Nirgendwo |
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| Agent Victor und der russische Bergführer Roman |
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| Roman, Urs, Beat, moi |
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| Michael Imhof |
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| Unser Köchin Lena, die leider kein Englisch sprach, dafür aber vorzüglich kochte! |
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| Victor und seine Chefin :) |
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| Ja, so gehts, wenn einem das Daunengilet zu gut gefällt... |
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| "Modernes" Bähnli |
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| Wirklich vertrauenserweckend... Russian Style, es funktioniert ja, warum auch ersetzen... |
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| Gut erhalten und gepflegt sieht anders aus... |
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| Skiliftbügel Marke Eigenbau |
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| Eingeschneite "Dieselhut", wird im Sommer manchmal als Zwischenlager verwendet |
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| Unsere Bleibe, Base Camp Russian Style |
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| Dieselhut, ca. 4100müm |
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| Daunenjacke im Härtest |
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| Basaltsäulen |
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| Trinkfestigkeitstraining |
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| So sieht die Taxigeschichte aus ... |
Der letzte Tag, an dem man aufsteht und nicht weiss, ob man sich freuen oder ein Fluchgebet gen Himmel schicken soll...