Mittwoch, 30. Mai 2012

Rösti on the Rocks; Finsteraarhorn 4274m 20. Mai 2012

Morgens um 4.00 Uhr klingelt der Wecker. Ich hätte schon um 24.00 Uhr loslaufen können; schweissnass und unruhig wollte ich nur noch los und war froh, als es endlich soweit war.
Der sympatische Hüttenwart war schon um 4.00 Uhr morgens gnadenlos und hat uns zwei Finsteraarhornhütte-Greenhorns schonungslos entlarvt, sehr zur Freude der anwesenden 'alten Hasen'. Nun wissen wir, dass Kaffee, Tee und Brot an den Tisch serviert wird und aus Kacheli wie zu Grossvaters Zeiten und nicht aus Tassen getrunken wird. Mir war das Kacheli durchaus sympatisch, nicht aber der geistige Frühsport. Wie auch immer, wir haben uns auch ein bisschen amüsiert - es blieb uns auch nichts Anderes übrig.

Um 5.00 Uhr gings im Schnee mit unseren Brettern los über harte und steile Partien. Der Frühstücksplatz 3616müm war schnell erreicht, der Wind nahm mit zunehmener Höhe zu und auch die Temperaturen wurden immer frischer.  Vom Frühstücksplatz glaubt man den Hugisattel 4088müm in greifbarer Nähe. Nur der Narr lässt sich täuschen; die Karte hat immer recht...

Wir waren froh, dass wir zur ersten von drei Gruppen gehörten, sodass wir zwar am Morgen eine Stunde früher raus mussten, dafür standen wir aber bereits am Nordwestgrat und mussten nicht mit viel Stau rechnen. Nach luftiger Kletterei in besten Verhältnissen (teilweise hervorragender Trittschnee) erreichten wir den Gipfel ohne grössere Schwierigkeiten. Steigeisen und Pickel erwiesen ihren Dienst.
Der Abstieg gelang uns recht zügig, auch wenn wir nun zahlreichen Aufsteigenden auswichen und diesen Platz machten. Die anschliessende Abfahrt gestaltete sich als abwechslungsreich, denn wir befanden uns mal in einem totalen White-out, mal in absoluter Wolkenfreiheit. Und zwar nicht von Minute zu Minute, sondern innerhalb von einigen wenigen Sekunden änderte die Situation komplett.

Um ca. 10.45 Uhr standen wir zu unserem Erstaunen bereits wieder in der Hütte, nur 6 Stunden nach dem Start auf insgesamt 1200Höhenmeter. Da ich mich für diese Tour auf mein absolutes Nahrungsminimum einliess (2 Riegel, 1 Geltube, Halbe Tafel Schokolade, einige Traubenzuckerstückchen), knurrte mein Magen. Gerade mal zwei kleine Traubenzuckerstücken, einenSchluck Tee und zwei Feldli Schokolade hatte ich dem (scheinbar) streng rationierten Esssäckli entlockt. (Hinweis: Für 3 Tage hatte ich 2 Tafeln Schokolade, 6 Riegel, Traubenzucker, Käse und Bündnerfleisch dabei. Zurückgebracht hatte ich praktisch alles. Ich nahm mir vor, bei den nächsten Touren weiterhin meine Essensrationen abzuspecken.)

Die Finsterirösti war ein Meisterwerk des Hüttenchefs, gut portioniert und zu gut, um wirklich genug davon zu kriegen. Wer auf der Finsteraarhornhütte ist und diese Finsterirösti nicht probiert, hat wirklich etwas verpasst...! Diese Rösti gehört auf die Liste der 100 Dinge, die man in seinem Leben mal gemacht haben muss :)

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Am Montag 28.05.2012 stand ein "toller" Tag bevor: Zurück zum Jungfraujoch. Mit zwei tollen Touren liess sich dieser sehr lange Rückweg erstaunlich locker und gut angehen. Nach einem Anstieg und Abfahrt von der Grünhornlücke erreichten wir den Konkordiaplatz, wo eine verzweifelte Italienierin unseren Schutz suchte. Offenbar hat ihre Kollegin, mit der sie von der Konkordiahütte zum Joch wollte, sie im Stich gelassen. Ja, man kann offenbar wirklich bei Tageslicht jemanden auf dem Konkordiaplatz verlieren, die Italienerinnen machten es vor...! Luisa, wie wir herausgefunden haben, erblickte ziemlich bald in weiter Ferne eine Person, die aber gemäss ihrer Auskunft nicht ihre Kollegin sein konnte, denn diese sei ausschliesslich langsam unterwegs. Pirmin wollte wohl Luisas Kondition testen, denn er legte ein zügiges Tempo vor. Luisa folgte, sprach nicht wenig und wenn dann über Pirmins lange Beine (wohl wollte sie damit wohl etwas Anderes mitteilen... :) ). Erstaunlicherweise entfernte sich die einzelne Person immer mehr von uns. Nein, Luisa war sich sicher, das konnte nicht ihre Begleitung sein.

Einige Zeit später stellte sich dann auf dem Joch heraus, dass diese Person vor uns, die noch schneller als wir lief, tatsächlich ihre Bekannte war. Ich möchte nicht wissen, was die beiden nach dem Zusammentreffen alles besprochen haben. Die Situation, dass beim Runterfahren vom Joch beide in einem unterschiedlichen Abteil sassen, sprach jedenfalls Bände. :)

In knapp 5h erreichten wir von der Finsteraarhornhütte über die Grünhornlücke das Joch. Pirmin hat seine "Berner Oberländer - Taufe" mit Bravour bestanden und reiste mit einem breiten Grinsen nach Hause.

Stai bain Pirmin, grazia vetg + sin seveser!

Morgenstimmung, Blick ins Wallis



Hugisattel, Grat zum Gipfel

Kurz vor dem Gipfel

Geschätzte 80 Personen waren an diesem Tag auf dem Gipfel

Lauteraarhorn mit Südcouloir





Bei warmen Verhältnissen geht hier irgendwann ordentlich die Post ab...

An nächsten Morgen, unterwegs zur Grünhornlücke

Dreieckhorn, verdeckt Aletschhorn, Lötschenlücken. Vom Grünhornpass Blick gegen Lötschental (West)

Morgenstimmung am Finsteraarhorn

Luisa und Pirmin

Aletschhorn und Haslerrippe

180° Panorama
360° Panorama

Jungfraujoch - Sphinx



Auf Messers Schneide: Walchergrat aufs Gross Fiescherhorn 4049m 19. Mai 2012

Nach einer kurzen N8, da zu viel geplappert, sassen wir gespannt in der Jungfraubahn. Pirmin und ich, eine Militärbekanntschaft aus der RS und diversen WKs, waren unterwegs zum Gross Fiescherhorn. Nach kurzem Hin und Her, das Wetter präsentierte sich nicht in der besten Verfassung, haben wir uns dennoch entschieden, den Walchergrat aufs Grosse Fiescherhorn 4049müm zu begehen.
Gesagt getan: Grosse Freude verspürten wir, dass wir an diesem Tag tatsächlich die einzigen von gefühlten 100 Personen waren, die diesen Weg gewählt hatten. Alle anderen Gruppen wählten den Normalaufstieg über die Fiescherlücke.
Wir hatten richtig gepokert: Sehr guter Trittschnee, ungespurt (YES!), und einige steilen Stellen liessen unsere Herzen höher schlagen. Dies war angesichts der enormen Tiefblicke nach Grindelwald und den unteren Grindelwaldgletscher spätestens bei jenem Anblick soweit gewesen.
Nach toller und recht einfacher Kletterei mit Steigeisen und Pickel erreichten wir den Gipfel und wünschten uns umgehend den Walchergrat zurück: Gerade noch in völliger Einsamkeit in unverspurten Gelände, tummelten sich am Südgrat (Normalanstieg) zig Personen und blickten uns angesichts unserer Skis an den Rucksäcken ganz verduzt an.

Nach einer kurzen Abfahrt in teils hartem und leichte gedeckeltem Schnee erreichten wir die Finsteraarhornhütte nach knapp 7.5h ab Jungfraujoch.


Pirmin am ersten Anstieg


Walchergrat (links) aufs Grosse Fiescherhorn

Pirmin am Punkt, wo Skis mit Steigeisen getauscht werden



 


Zum Schrauben leider zu schlechtes Eis, daher muss es ohne gehen.


Abstieg vom Gipfel (Normalroute)

Abstiegsroute Grosses Fiescherhorn: Vom Gipfel Grat gegen den linken Bildrand (Süd) bis zum Aufschwung, dort senkrecht runter


Finsteraarhornhütte 3048müm

Alle guten Dinge seien drei: Dufourspitze 4634m 13.Mai 2012

Schon mehrfach war ich an der Dufourspitze unterwegs, bisher allerdings immer ohne Erfolg. Nun startete ich den dritten Versuch zusammen mit Oli und Steffi. Die Wetterprognose war nicht besonders gut, aber für einen Versuch sollte es zumindest reichen.

In Zermatt angekommen, wurden wir bereits von einem ordentlichen Regenguss begrüsst.. das kann ja heiter werden...
Irgendwann haben wir den Weg in die Hütte gefunden, gut genächtigt und sind ein weiteres Mal früh aufgestanden. Musste ich am Wildhorntag um 23.45 Uhr aus den Federn, gönnten wir uns bis 2.00 Uhr einige Stündchen mehr Schlaf.

Während uns die Stirnlampen den Weg wiesen und wir stetig vorankamen, dämmerte es. Der Nebel drückte von Zermatt hoch über den Gletscher, lag allerdings bis zu unserer Rückkehr zur Hütte stets unter uns. So konnten wir das Bergpanorama in vollsten Zügen geniessen!
Nach knapp 4.5h und 1600hm höher (alles ohne Blankeisstellen) schnallten wir uns die Steigeisen an die Füsse, um das vom Silbersattel auf die Dufourspitze führende Couloir zu beklettern. Einige Meter höher standen wir plötzlich da, auf dem höchsten Punkt der Schweiz! Meine Freude war sehr gross und ich fühlte mich erleichtert, endlich diesen Punkt im dritten Anlauf erreicht zu haben. Die Schweiz lag uns quasi zu Füssen :)

Die grösste Tortur stand mit aber noch bevor; Ich erhielt noch Testmaterial von Dynafit; Tourenschuh TLT Performance. Mehr zu dieser Tortur, über das Warum man sich an Schmerzen auch erfreuen kann und dem Schuh selber gibts im Materialtest.

Danke Oli und Steffi für diese Tour! What is next? :)

Man beachte Olis Freeridelatten... ;)





Die neue Monte Rosa - Hütte. Von der alten Hütte existiert nur noch das Plumpsklo (kein Witz!)




Couloir vom Silbersattel auf den Gipfel

Nordend und Steffi auf den letzten Metern


Montag, 28. Mai 2012

Vom Winde verweht... Wildhorn 28. April 2012

An manchen Tagen scheint das Leben wie verzaubert; nämlich dann, wenn der Drang nach Erlebnis, Schnee und etwas Speziellem wächst und ein scheinbar harmloser Vorschlag Wirklichkeit wird:

Steffi hatte die Idee, am Morgen des 28. April 2012 zum Sonnenaufgang auf einem Gipfel zu stehen. Die Idee klingt verrückt - genau richtig für mich.

Um 23.45 Uhr riss mein Wecker mich nach einer Stunde Schlaf aus den Träumen. Just in diesem Moment habe ich mich ernsthaft über die Sinnhaftigkeit dieses Vorhabens gefragt. Aber mit der Wärme der Decke ist manch schlafender Geist schlecht beraten und so gilt es, sich möglichst rasch und weit von der warmen Decke zu entfernen.
30 min später sass ich im Auto, Ziel Bahnhof Oey-Diemtigen, wo Steffi bereits mit Michael wartete. Kurz das Material ins Auto verfrachtet, dann gings los Richtung Lenk. Um genau 2.22 Uhr begann der nächtliche Spass endgültig und wieder fragte ich mich, ob ich denn wirklich noch zu retten sei. Aber ich wusste genau, was mir bevorstand; spätestens nach den ersten 20 Schritten war mir unmissverständlich klar, dass Steffi und Michael mit ihren schmalen "Renn-Pommes" es ernst meinten, denn sie legten ein Tempo vor, welchem ich mit meinen breiten und geliebten Black Diamond - Latten kaum folgen konnte.
Knapp 700 Höhenmeter zeigte meine Uhr 3.20 Uhr an, was mich angesichts des rasanten Tempos überhaupt nicht erstaunte. Mir war aber klar, dass ich dieses Tempo die nächsten 1000hm nicht halten konnte und so war ich froh, dass die beiden ohne Worte Verständnis für meine alten Knochen aufbrachten und das Tempo ein wenig verlangsamten.
Der Wind war an diesem "Nachtspaziergang" unser ärgster Feind; er hat nicht nur die PDG 2012 in doppelter Form zum Erliegen gebracht, er machte auch uns das Laufen schwer und riss uns teilweise sogar ganz um. Nach hartem Trotzen gegen den Wind erklommen Steffi und Michael vor mir den Gipfel und wollten nach meiner Ankunft auf demselbigen keine weitere Zeit verlieren. Nach einen kurzen Gipfelfoto mit den ersten Sonnenstrahlen gings wieder in die Gegenrichtung. Nun konnte mein BD endlich seine Stärke ausspielen; während Michael regelmässig mit seinen "Pommes" im Schnee versank - der mit abnehmender Höhe von hart bis "pflutterwaich" alles bot - konnte mein BD sich von der besten Seite präsentieren und gleitete und gleitete schön auf der Schneedecke...
Komisch aus der Wäsche schauten all jene, die um 7 oder 8 Uhr ihre Wildhorntour unten begannen und unsere Abfahrt kreuzten... Ein weiterer Grund, so früh loszugehen! Haha, diese langen Gesichter :)

Um 10 Uhr war ich bereits wieder daheim und ging 2h schlafen. Dann wiederholte sich dasselbe Spiel wie um 23.45 Uhr vom Vortag. Mein Rhythmus war völlig durcheinander und auch die Doppellektion Unihockey, die ich am Nachmittag erteilte, sowie der nächtliche Ausgang zum Zn8 in Bern halfen nicht, diesen Rhythmus wieder zu stabilisieren, noch in annähernd wiederzufinden.
Damals wussten wir nicht, dass wir eine ähnliche Nachttour bereits in einigen Tagen zusammen angehen würden...

Danke Steffi und Michael für die heisse Tour aufs Wildhorn! Da ich dermassen mit Laufen beschäftigt war, sind folgende Fotos durch Steffis Zeigefinger entstanden. Danke dir Steffi :)

Fazit: Ich bin nicht mehr 20. Aber auch als Ü30 kann man noch lange solche Aktionen unternehmen.

Michael hatte gut Lachen ...