Ngima und ich hatten viele gemeinsame Pläne. Während unserer Expedition und der vielen gemeinsam verbrachten Zeit gab es auch genügend Möglichkeiten, um sich mit allerlei Gedanken auseinanderzusetzen.
Leider kommt es nicht mehr dazu und dennoch bleibt die Absicht bestehen: Ich möchte sicherstellen, dass Ngimas Familie den Support erhält und die Ziele erreicht, die Ngima für sich ganz gross auf die Fahne gschrieben hat. Es geht hier vorallem um die Grundbedürfnisse und die schulische Ausbildung seiner beiden kleinen Töchter. Er selber musste die Schule im Alter von 10 Jahren verlassen, um daheim auf dem kleinen Hof zu helfen. Seine Frau hat nie die Schule besucht und kann somit weder lesen, noch schreiben.
Daher wollte Ngima unbedingt, dass seine beiden Töchter auf eine gute, aber kostspielige Schule gehen könnenn. Da ich dies jedoch nie alleine erreichen kann, bin ich auf deine Hilfe geschätzter Leser, angewiesen. Wir können Ngima nicht mehr zurückholen, aber wir können seiner Familie eine Perspektive bieten, die sie im Moment in keinster Weise hat. Da ist einfach nichts. Keine Perspektive, keine Hoffnung, keine Aussicht auf Besserung. Nichts.
Wie du helfen kannst, erfährst du hier:
http://sherpa-foundation.blogspot.com
Diese Foundation wurde eigenes von mir für Ngima ins Leben gerufen. Ich bitte dich inständig um deine Hilfe. Ngimas Familie (Frau, Kinder, Eltern, Geschwister, Neffen und Nichten; alle wohnen sie im selben Haus auf dem selben kleinen Fleck Erde) würde sich über jede noch so kleine Aufmerksamkeit freuen!
Im Weiteren bitte ich dich um ein Verbreiten des Links auf dem digitalen Weg; Statusmeldung in Facebook oder Twitter, persönliche Gespräche etc. Alles, was Ngimas Familie dienen kann, wird sehr geschätzt!
Aufrichtigen Dank!
Mittwoch, 26. Dezember 2012
Veröffentlichung Nepalbericht unterbrochen
Es ist 05.53 Uhr morgens, ich bin wach, wie ich es die ganze Nacht schon war. Ich kann nicht schlafen und leider aus gutem Grund:
Mein treuer Begleiter, der nepalesische Bergführeraspirant Ngima Grimen Sherpa, hat am Weihnachtstag 25.12.2012 (Nepalesische Zeit) sein Leben in einem Motorradunfall in Kathmandu verloren. Er hinterlässt eine Frau und zwei junge Mädchen (8, 1) sowie eine komplette Familie (Eltern, Geschwister), für dessen Unterhalt und Lebensstandard er als Bergführer alleine sorgte, da in seiner Heimat keine Jobs erhältlich sind (Bergregion).
Aus diesem Anlass habe ich mich entschlossen, mit der Berichterstattung (4. und 5. Teil) meiner Nepalexpedition zuzuwarten und sie somit für die nächsten paar Wochen ruhen zu lassen. In dieser Zeit werde ich festlegen, sobald die Gedanken dies wieder zulassen, wie ich mit dieser Reihe weiterzufahren gedenke. Im Moment kann ich aber nicht guten Mutes und mit positiver Einstellung einen Resebericht verfassen. Ich danke dir geschätzter Leser fürs Verständnis.
Mein treuer Begleiter, der nepalesische Bergführeraspirant Ngima Grimen Sherpa, hat am Weihnachtstag 25.12.2012 (Nepalesische Zeit) sein Leben in einem Motorradunfall in Kathmandu verloren. Er hinterlässt eine Frau und zwei junge Mädchen (8, 1) sowie eine komplette Familie (Eltern, Geschwister), für dessen Unterhalt und Lebensstandard er als Bergführer alleine sorgte, da in seiner Heimat keine Jobs erhältlich sind (Bergregion).
Aus diesem Anlass habe ich mich entschlossen, mit der Berichterstattung (4. und 5. Teil) meiner Nepalexpedition zuzuwarten und sie somit für die nächsten paar Wochen ruhen zu lassen. In dieser Zeit werde ich festlegen, sobald die Gedanken dies wieder zulassen, wie ich mit dieser Reihe weiterzufahren gedenke. Im Moment kann ich aber nicht guten Mutes und mit positiver Einstellung einen Resebericht verfassen. Ich danke dir geschätzter Leser fürs Verständnis.
Die letzten gemeinsamen Minuten, Oktober 2012 in einem edlen Lokal in Kathmandu
Sonntag, 2. Dezember 2012
Nepal Part 3: Die wahren Helden am Berg
Parallel zum Laufen
auf den ausgetretenen Pfaden wandern meine Gedanken ständig umher: Singa Chuli,
Nepal, Trekking, Berge, Schnee, Einsamkeit, Expedition, Porter.... die Liste
wäre nicht abschliessend. Ich bin völlig fasziniert von dieser Abgeschiedenheit,
von der Einfachheit der hier lebenden Familie. Mein Geist kann sich völlig
erholen, während meine Füsse sich immer wieder duellieren und keiner im
Hintertreffen bleiben will. Ich bin zudem aber auch völlig perplex und fühle
mich irgendwie entblöst, peinlich berührt, schuldig. Es liegt zwar nicht an
mir, noch trifft mich ein Verschulden, dennoch fühle ich mich irgendwie
schlecht. Bisher bin ich immer von einem Wechselspiel ausgegangen, von einer
zweiseitigen Win-Win-Situation. Nun merke ich, dass es hier in diesem Spiel nur
einen Gewinner gibt: Den Gast! Mich. Das behagt mir gar nicht.
Ich spreche von den
Trägern, auf Neudeutsch und Nepalesisch Porter. Sie werden für ihre
Arbeitskraft, Material für die Touristen raufzuschleppen, entschädigt. Eines
Abends zu Beginn meiner Expedition bin ich in Kontakt mit einem Porter einer
anderen Gruppe gekommen. Da er sehr gut Englisch sprechen konnte, stand einem
intensiven und tiefergründigen Gespräch nichts im Weg. So erfuhr ich, dass die
Träger für ihre Arbeit hier im Tal für die Strecke Nayapul – South
Annapurna-Basecamp normalerweise 800 nepalesische Rupien erhalten. Dies
entspricht in etwa 10 sFr. Und zwar nicht pro Tag, sondern für die gesamte
Tour. 10 sFr. für 8-10 Tage, je nach Kondition der Gäste. Zudem kommen sie
selber für ihre Mahlzeiten auf: Dhal Bat, ein nepalesisches Nationalgericht,
bestehend aus Reis, Curry und verschiedenem Gemüse. 1x Dhal Bat kostet 300 –
400 Rupien pro Mahlzeit, Preis mit zunehmender Entfernung vom Taleingang stark
steigend.
Man braucht keine
Lehre bei Adam Ries gemacht zu haben um zu bemerken, dass die Träger schon nach
2 Tagen ein Verlustgeschäft einfahren. Als ich von ihrem läppischen Lohn
erfahren habe, schwankte mein Gefühl zwischen Erbostheit und Schuldgefühlen.
Erbost war ich über die Frechheit der Anbieter, den Trägern keinen besseren
Lohn zu bezahlen, schuldig fühlte ich mich, weil ich meinen drei Trägern eine
Arbeit bot, die für sie ein Verlustgeschäft bedeutete. Das muss man sich mal
vor Augen führen: Wer arbeitet schon, obwohl er weiss, dass er am Schluss
weniger Geld hat als zuvor?
Die einzigen Gründe,
warum man als Träger diese Arbeit dennoch annimmt und ausführt, liegen auf der
Hand:
1. Es gibt andere Träger, die für diesen Preis arbeiten (und so kommt nie
eine Besserung zu Stande)
2. Erhalten die
Träger am Schluss der Tour ein ordentliches Trinkgeld, so hat sich dies für sie
gelohnt.
Genau letzteres nahm
ich mir strikte vor, zumal ich ersteres nicht beeinflussen konnte! Und mich
entsprechend bei meiner Agentur über diesen für mich unverständlichen Zustand
zu Gunsten meiner Kumpels beklagen. Was ich dann auch anständig, aber bestimmt
tat.
Und so kreuzen sich
auf den Wegen nach und von Macchapucchre – Basecamp Welten: Asiatische
Gesichter mischen sich mit Europäischen/Amerikanischen, verschiedene Hautfarben
wechseln sich mit Koreanern im Vollschutz (zugeknöpft und zugeschnürt bis unter
die Haarspitzen, als müssten sie an der Dschungelshow „Ich bin ein Star, holt
mich hier raus!“ in ein Insektenbecken tauchen, arm trifft auf reich... Unterschiede
könnten nicht grösser sein. Während die einen Touristen einen oder gar keinen
Rucksack tragen, tragen die Porter 1-4 grosse Reisetaschen der Touristengruppen
hoch. Da fühle ich mich mit meinem vollen, ca. 15kg schweren 65Liter-Rucksack
doch einigermassen gut aufgehoben.
Bei jedem Kreuzen
von anderen Gruppen spüre ich es wieder, dieses Gefühl von Ungerechtigkeit, von
Schuldgefühlen, da ich nun auch weiss, dass praktisch alle Porter ebenso wenig
verdienen wie meine drei Kumpels. Immer wieder kreuzen sich die Blicke und
immer, wenn mich einer der nepalesischen Blicke trifft, fühle ich mich
schuldig.
Ich musste irgendwie
dieses Schuldgefühl loswerden. So nahm ich mir vor, dass ich mit allen
Touristen, mit denen ich am Abend in den Lodges (auf der gesamten Strecke)
jeweils ins Gespräch kam, dieses Thema in neutraler und informativer Form ansprechen
möchte, sollte sich die Situation dazu ergeben. Dies tat ich dann auch und
erleichterte mich doch immer mehr. Nicht in aufdringlicher Art, aber einfach in
für mich befreiender Form.
Dienstag, 13. November 2012
Nepal Part 2: Menschliche PS hoch 10
Singu Chuli, 6501m, dieser Gipfelname ging mir runter wie Butter. Und das digitale Bild von diesem formschönen Gipfel brannte sich in mein Gedächtnis. Er muss es sein, auch wenn das Vorhaben sehr ambitioniert war. Ngima Grimen Sherpa, mein Bergführeraspirant nach Schweizer Bergführerausbildung (!), hat mir diesen Gipfel vorgeschlagen.
Allerlei andere Berge hat man mir vorgeschlagen, allerdings war ich nicht bereit, in Nepal auf einen klassischen "Gletschtergewackel" zu gehen. Ich wollte etwas Technisches, nicht reines Trekking, wollte bergsteigen, nicht wandern. Das haben meine Nepali Freunde rasch begriffen und so kam Singu Chuli (sprich: Singa Tsuli) ins Spiel. Die anderen Vorschläge waren nicht minder hoch, einfach bedeutend einfacher. Die Thematik rund um (aus Zeitgründen, siehe Bericht Nepal Part 1: Vom Winde verweht...) die mangelhafte Akklimatisation war bei allen vorgeschlagenen Bergen identisch.
Dann gings endlich los! Eine abenteurliche, sechsstündige Fahrt auf den mit Schlaglöchern übersäten nepalesischen Strassen nach Pokhara - Nayapul war angesagt. Unterwegs gabs allerlei Action: Monsunartiger Regen, anlaufende Fenschterscheiben entblösten das nicht funktionstüchtige Umluftsystem im Auto, Fahrt bei total beschlagenen Fenstern und Null Sicht da Nebel und schlechtem Autolicht durch geisterhafte Dörfer, Tee irgendwo im nirgendwo in einer Blechbarracke (zum Glück schmeckte der Tee besser als die Hütte aussah; sie war in desolatem Zustand, wie leider so vieles in Nepal) etc.
Angekommen und genächtigt in Nayapul, wurde am nächsten Tag das Gipfelpermit am vorgesehenen Kontrollposten artig gezückt und gezeigt. Danach gings endlich los ins unendlich scheinende Tal. Beim Start wusste ich lediglich, dass es circa drei bis vier Tage nur in eine Richtung ging: Taleinwärts, aufwärts. So wars dann auch. Immer weiter, immer höher. Gestartet auf ca. 1000m, kamen wir nach drei jeweils langen Tagen mit ca. 90kg Ausrüstung, Zelt und Nahrungsmittel im 40km entfernten Macchapucchre-Basecamp an. Dieses befindet sich nur rund 1.5h unterhalb des South-Annapurna-Basecamps auf 3700m auf einer Moräne, die die Mächtigkeit vorzeitlicher Gletschter eindrücklich demonstriert.
Alle Nächte haben wir in sogenannten Lodges verbracht. Wer sich dabei eine komfortable und saubere Unterkunft im SAC-Stil vorstellt, liegt völlig falsch; es handelt sich um einigermassen robuste, mit Steinen aufgebaute Unterkünfte, die jeweils 6-12 Doppel- oder Mehrfachzimmer bieten. Als Betten bestehen der Einfachheit halber aus Mehrschichtplatten mit Schaumstoffmatraze. That's it.
Andererseits, wer braucht wirklich mehr in dieser Region? Ab Ghandruk fahren keine Autos mehr, die Strasse musste kleinen Gehwegen weichen. Ab Ghandruk muss alles von Einheimischen getragen werden. Nur Esel erleichtern gewisse Transportstrecken und Wasserbüffel helfen bei der Pflege und Erstellung von Reisfeldern. Ansonsten wird in diesem langen Tal alles von menschlichen Pferdestärken geleistet. In Anbetracht der bestehenden Infrastruktur, die keinesfalls als modern bezeichnet werden darf (zumindest nicht im Sinn der westlichen Kultur), müssen unzählige menschliche PS geleistet worden sein, um nur den aktuellen zweckmässigen Ausbaustandard erreicht zu haben! Ich bin wirklich erstaunt!!
Allerlei andere Berge hat man mir vorgeschlagen, allerdings war ich nicht bereit, in Nepal auf einen klassischen "Gletschtergewackel" zu gehen. Ich wollte etwas Technisches, nicht reines Trekking, wollte bergsteigen, nicht wandern. Das haben meine Nepali Freunde rasch begriffen und so kam Singu Chuli (sprich: Singa Tsuli) ins Spiel. Die anderen Vorschläge waren nicht minder hoch, einfach bedeutend einfacher. Die Thematik rund um (aus Zeitgründen, siehe Bericht Nepal Part 1: Vom Winde verweht...) die mangelhafte Akklimatisation war bei allen vorgeschlagenen Bergen identisch.
Dann gings endlich los! Eine abenteurliche, sechsstündige Fahrt auf den mit Schlaglöchern übersäten nepalesischen Strassen nach Pokhara - Nayapul war angesagt. Unterwegs gabs allerlei Action: Monsunartiger Regen, anlaufende Fenschterscheiben entblösten das nicht funktionstüchtige Umluftsystem im Auto, Fahrt bei total beschlagenen Fenstern und Null Sicht da Nebel und schlechtem Autolicht durch geisterhafte Dörfer, Tee irgendwo im nirgendwo in einer Blechbarracke (zum Glück schmeckte der Tee besser als die Hütte aussah; sie war in desolatem Zustand, wie leider so vieles in Nepal) etc.
Angekommen und genächtigt in Nayapul, wurde am nächsten Tag das Gipfelpermit am vorgesehenen Kontrollposten artig gezückt und gezeigt. Danach gings endlich los ins unendlich scheinende Tal. Beim Start wusste ich lediglich, dass es circa drei bis vier Tage nur in eine Richtung ging: Taleinwärts, aufwärts. So wars dann auch. Immer weiter, immer höher. Gestartet auf ca. 1000m, kamen wir nach drei jeweils langen Tagen mit ca. 90kg Ausrüstung, Zelt und Nahrungsmittel im 40km entfernten Macchapucchre-Basecamp an. Dieses befindet sich nur rund 1.5h unterhalb des South-Annapurna-Basecamps auf 3700m auf einer Moräne, die die Mächtigkeit vorzeitlicher Gletschter eindrücklich demonstriert.
Alle Nächte haben wir in sogenannten Lodges verbracht. Wer sich dabei eine komfortable und saubere Unterkunft im SAC-Stil vorstellt, liegt völlig falsch; es handelt sich um einigermassen robuste, mit Steinen aufgebaute Unterkünfte, die jeweils 6-12 Doppel- oder Mehrfachzimmer bieten. Als Betten bestehen der Einfachheit halber aus Mehrschichtplatten mit Schaumstoffmatraze. That's it.
Andererseits, wer braucht wirklich mehr in dieser Region? Ab Ghandruk fahren keine Autos mehr, die Strasse musste kleinen Gehwegen weichen. Ab Ghandruk muss alles von Einheimischen getragen werden. Nur Esel erleichtern gewisse Transportstrecken und Wasserbüffel helfen bei der Pflege und Erstellung von Reisfeldern. Ansonsten wird in diesem langen Tal alles von menschlichen Pferdestärken geleistet. In Anbetracht der bestehenden Infrastruktur, die keinesfalls als modern bezeichnet werden darf (zumindest nicht im Sinn der westlichen Kultur), müssen unzählige menschliche PS geleistet worden sein, um nur den aktuellen zweckmässigen Ausbaustandard erreicht zu haben! Ich bin wirklich erstaunt!!
Nayapul, unsere Nachbarn für eine N8. Ausgangspunkt der Expedition.
Permit-Kontrollposten
Reisfelder in allen Grössen und Formen
Auch das kann man transportieren...
Einfache und rustikale Behausung
Blick in die ersten von vielen Kilometern dieses Tals
Back to (some part of) the roots; simple und ausreichende Zimmer in Chhumrong
Macchapucchre 6995m, heiliger Berg, auch wegen seines Gipfels Fishtail genannt
Macchapucchre-Basecamp 3700m
Sonntag, 28. Oktober 2012
Nepal Part 1: Vom Winde verweht...
Es hat nicht sollen sein... Gestrandet in Nepal. So sehen Ferien aus: 28.09. - 15.10.2012
Mera Peak 6500 müm war das Ziel, Aufstieg zu Fuss (logo...), Abfahrt mit Ski. Das war der Plan. Dieser Plan war saumässig gut, fand ich. Dieses Gefühl wurde bestätigt durch das Dynafitteam, das, ich wusste es vorher nicht, genau denselben Plan hatte wie ich. Sie zogen jedoch ca. drei Wochen an den Mera Peak.
Die Geschichte schreibt, dass sie den Mera Peak erfolgreich bestiegen und die Abfahrt mit den Skis in (be)rauschendem Powder ebenfalls erfolgreich bewältigten. Dieses Unterfangen blieb mir leider verwehrt. Die Story zu diesem Dilemma ist schnell erzählt:
In Kathmandu angekommen, musste ich zuerst drei Tage ausharren, um jeden Tag zu erfahren, dass der Zielflughafen Lukla, weiterhin gesperrt bleibt. Wind und Regenwetter verunmöglichten ein Starten und landen in Lukla (Lukla ist bekannt als Ausgangspunkt jeder Expedition mit Ziel Mount Everest Südanstieg).
Der Flughafen in Lukla hat eine Start- und Landebahn, die senkrecht zum Talverlauf und zudem geneigt steht und somit beim Anflug als auch beim Start ein 90°-Flugmanöver bedarf. Am Tag vor meiner Ankunft in Kathmandu ist ein Flieger, der in Lukla hätte landen sollen, kurz nach dem Start in Kathmandu abgestürzt und alle darin befindlichen Personen verloren ihr Leben. Nach diesem Crash wollte man offenbar gar nichts mehr riskieren und so entschied man sich zu insgesamt 5 Tagen fliegerische Ruhephase in Lukla.
Somit strandeten nicht nur viele Personen in Kathmandu, sondern auch diverse Trekker und Bergsteiger blieben in Lukla hängen und konnten während insgesamt 5 Tagen diesen Ort, der einer der gefährlichsten Flughafen der Welt beherbergen soll, verlassen. Ich konnte mir immerhin den Bauch mit allerlei Köstlichkeiten wie Gebratener Reis, unzählige Curry - Varianten etc. vollschlagen. Aber die anderen in Lukla? Kann man nur hoffen, dass sie einander wenigstens noch genügend zu erzählen hatten und einander nicht auf den Wecker gingen.
Zurück zur Story. Ja, so kam es also, dass meine drei Reservetage, die ich für den Mera Peak in weiser Voraussicht eingeplant hatte, bereits vor dem eigentlichen Start in Lukla bereits aufgebraucht waren. So habe ich mich entsprechend mit meinem nepalisischen Bergführer-Aspiranten, der, wie er mir nicht ohne Stolz berichtete, nach dem Schweizer Ausbildungssystem für Bergführer unterrichtet wurde, abgesprochen und wir änderten den Plan. Den Mera Peak musste ich vergessen, ehe die Reise richtig begonnen hatte. Aber ich kam nicht nach Nepal, um tagelang in Kathmandu festzusitzen. Die Hauptstadt hat zwar schon ihre Reize. Aber nach drei Tagen wollte ich nur raus in die Bergwelt - darum kam ich hier her!
Singu Chuli (sprich: Singa Tsuli) 6501müm war unser neues, anspruchsvolles Ziel. Die Annapurnaregion musste halten, was sie versprach...! Eine Story dazu gibts im nächsten Bericht, der in den nächsten Tagen folgen wird.
So würde der Flughafen Lukla aussehen, "Guugl" in exzelsis :D
Mera Peak 6500 müm war das Ziel, Aufstieg zu Fuss (logo...), Abfahrt mit Ski. Das war der Plan. Dieser Plan war saumässig gut, fand ich. Dieses Gefühl wurde bestätigt durch das Dynafitteam, das, ich wusste es vorher nicht, genau denselben Plan hatte wie ich. Sie zogen jedoch ca. drei Wochen an den Mera Peak.
Die Geschichte schreibt, dass sie den Mera Peak erfolgreich bestiegen und die Abfahrt mit den Skis in (be)rauschendem Powder ebenfalls erfolgreich bewältigten. Dieses Unterfangen blieb mir leider verwehrt. Die Story zu diesem Dilemma ist schnell erzählt:
In Kathmandu angekommen, musste ich zuerst drei Tage ausharren, um jeden Tag zu erfahren, dass der Zielflughafen Lukla, weiterhin gesperrt bleibt. Wind und Regenwetter verunmöglichten ein Starten und landen in Lukla (Lukla ist bekannt als Ausgangspunkt jeder Expedition mit Ziel Mount Everest Südanstieg).
Der Flughafen in Lukla hat eine Start- und Landebahn, die senkrecht zum Talverlauf und zudem geneigt steht und somit beim Anflug als auch beim Start ein 90°-Flugmanöver bedarf. Am Tag vor meiner Ankunft in Kathmandu ist ein Flieger, der in Lukla hätte landen sollen, kurz nach dem Start in Kathmandu abgestürzt und alle darin befindlichen Personen verloren ihr Leben. Nach diesem Crash wollte man offenbar gar nichts mehr riskieren und so entschied man sich zu insgesamt 5 Tagen fliegerische Ruhephase in Lukla.
Somit strandeten nicht nur viele Personen in Kathmandu, sondern auch diverse Trekker und Bergsteiger blieben in Lukla hängen und konnten während insgesamt 5 Tagen diesen Ort, der einer der gefährlichsten Flughafen der Welt beherbergen soll, verlassen. Ich konnte mir immerhin den Bauch mit allerlei Köstlichkeiten wie Gebratener Reis, unzählige Curry - Varianten etc. vollschlagen. Aber die anderen in Lukla? Kann man nur hoffen, dass sie einander wenigstens noch genügend zu erzählen hatten und einander nicht auf den Wecker gingen.
Zurück zur Story. Ja, so kam es also, dass meine drei Reservetage, die ich für den Mera Peak in weiser Voraussicht eingeplant hatte, bereits vor dem eigentlichen Start in Lukla bereits aufgebraucht waren. So habe ich mich entsprechend mit meinem nepalisischen Bergführer-Aspiranten, der, wie er mir nicht ohne Stolz berichtete, nach dem Schweizer Ausbildungssystem für Bergführer unterrichtet wurde, abgesprochen und wir änderten den Plan. Den Mera Peak musste ich vergessen, ehe die Reise richtig begonnen hatte. Aber ich kam nicht nach Nepal, um tagelang in Kathmandu festzusitzen. Die Hauptstadt hat zwar schon ihre Reize. Aber nach drei Tagen wollte ich nur raus in die Bergwelt - darum kam ich hier her!
Singu Chuli (sprich: Singa Tsuli) 6501müm war unser neues, anspruchsvolles Ziel. Die Annapurnaregion musste halten, was sie versprach...! Eine Story dazu gibts im nächsten Bericht, der in den nächsten Tagen folgen wird.
So würde der Flughafen Lukla aussehen, "Guugl" in exzelsis :D
Dienstag, 25. September 2012
Sardona Ultratrail 71km 4500HM
Vorbereitungen:
Das langersehnte Rennen ist am 15. September endlich erfolgt. 3 Stunden vor dem Start bin ich aufgestanden (da der Lauf in den Bergen der Pizolregion stattfand, hatte ich gewissermassen "Heimschlafvorteil"), die Nervosität hat mit jedem Meter, den ich näher zum Startbereich kam, zugenommen. Trotz der auf Grund des Schnees verkürzten und abgeänderten Strecke sollte es auch so kein Zuckerschlecken werden. Das war mir von vornherein klar. Mir kam die Abkürzung, die auch weniger Höhenmeter beinhaltete, nicht ganz ungelegen, zumal so meine Chancen auf dein Rennende mit Zieleinlauf so erhöht wurden.
Der Rucksack mit der Pflichtausrütung war gepackt, kaum überflüssiges Material dabei. Und doch haben die Spitzenläufer verdächtig kleine Rucksäcke dabei. Ob da wirklich die komplette Pflichtausrüstung reinpasst...
Startschuss:
Der Schuss aus der Pistole setzte den auditiven Start. Das Rennen, das ich gemütlich angehen wollte, begann wie erhofft: Die ersten Meter wurden joggend überwunden, danach gings zügig und kraftsparend aufwärts. Schon bald wurde der Anlass seinem Namen gerecht. Schöne und schmale Trails in toller Landschaft führten nach knapp 1.5h zum höchsten Punkt im Rennen und zu emotionalen Höhenflügen.
Wir schrieben ca. km 10. Auf der Scharte beim Gamidaurspitz gings runter nach Schwendi 1300HM in weniger als einer Stunde, danach lang und anhaltend über Weisstannen zur Spitzmeilenhütte.
Mein Wegbegleiter:
Schon von Anfang an bin ich immer wieder hinter zwei strammen Waden hergelaufen. Sie gehörten Claus Brock, den ich vor dem Rennen noch nicht kannte. In Schwendi sprachen wir miteinander und sollten uns noch während des gesamten Rennens Gesellschaft leisten. Claus gebürt ein ganz grosses Dankeschön für die Gesellschaft, die vielen guten Gespräche (Zeit hatten wir mehr als genug..), die motivierenden Worte und sehr angenehme Gesellschaft! Wäre sehr schön, dich mal wieder an einem Lauf zu treffen oder gar einige Meter/km mit dir zu laufen.
On the trail again...:
Die Streckenänderung brachte nicht nur Vorteile mit sich: Von Weisstannen führte die Strecke bis Untersäss mehrheitlich über Asphalt. Das war gar nichts für meine Knochen; Auf dem Rückweg (so viel sei vorweg genommen) der über dieselbe Strecke führt, schoss mir jeder Schritt auf Asphalt dermassen in die Knochen, dass von Erholung beim Abwärtsspringen nicht der Hauch von Erholung möglich war.
Nach einen langen und Kräfte zehrenden Aufstieg ab Weisstannen kamen wir endlich auf der Scharte an, wo es noch eine gefühlte Ewigkeit dauerte, bis wir die Spitzmeilenhütte erreichten. Dort nach 7h30min und km 38 angekommen, füllten wir unsere Mägen mit Bouillon, Cola, frisch geschnittenen Gurken (herrlich!), Brot, Schokolade, Käse und warmen Isostar. Ja, warm... lecker ist was anderes... aber es erfüllte seinen Zweck.
Nach 10min Pause begaben wir uns voller Zuversicht, Motivation und Freude auf den Rückweg, der auf selben Strecke verlief. 5h nach den ersten erreichten wir jene Stelle, an denen uns die Führenden kreuzten (sie auf dem Rückweg von der Spitzmeilenhütte).
Zwar gings praktisch nur abwärts, das allerdings seine Tücken hatte. Nach knapp 10h und ca. km 50 wieder beim Verpflegungsposten in Weisstannen angekommen, spürten wie die negativen Höhenmeter, die zu einem Grossteil auf Asphalt absolviert wurden.
Uns es wurde dunkel:
Ein letztes Mal stärken und dann gings das Rennen bei km 53 richtig los. 1300hm auf den nächsten 10km waren geboten, steil wie die Sau, hart nach all den Höhen- und Laufmetern. Lediglich die Stirnlampe, die mittlerweilen seinen Platz vom Rucksack an die Stirn gewechselt hatte, gab uns ein bisschen das Gefühl von Behaglichkeit. Die Meter waren hart, die steilsten Abschnitte liefen mir sehr gut, dafür hatte Claus dort seine Mühen. In den flacheren Teilen hatte ich meine Mühen und Claus liefs rund. Kurz vor der Scharte, bevor es nur noch runterging, gabelten wir noch einen Briten auf, der den Wanderweg verlassen und nach dem Weg gesucht hatte.
Finish:
Meine Uhr zeigte 71km und 15h48min an, als wir beide überglücklich und mit einem Lächeln im Gesicht um 00.30 Uhr die Ziellinie in Furt überquert hatten. Wir hatten geschafft, wovon wir lange träumten: Die erste Ausgabe des Sardona Ultratrails haben wir überstanden, mit grosser Freude, viel Herzblut, Schweiss und auch ein bisschen Stolz absolviert.
Rückblick:
Nie hatte ich ernsthafte Zweifel daran, dieses Rennen finishen zu können. Dennoch unterschätzte ich es keinesfalls. Ich wusste, nur wenn ich mental stark bin, Schmerzen unterdrücke (die zum Glück erst auf den letzten 20km aufkamen) und durchbeisse, werden meine Anstrengungen von Erfolg gekrönt sein. Ich bin überglücklich, nach knapp 8 Monaten ernsthafter und teilweise gezielter Vorbereitung bereits einen Ultralauf absolvieren zu können. Meine über Jahre dauernden bergsteigerischen Betätigungen haben diesen Prozess sicher positiv beeinflusst, wenn auch gleich die Bewegungen, die Konditionsart etc. nicht dieselben sind.
Der Spaghettiteller und das grosse Panaché um 2 Uhr morgens waren wohl mitunter vom besten, was mir um diese Zeit passieren konnte. Herrlich...!
Fazit:
Man kann sich so vieles kaufen auf der Welt. Die Gefühle, die man beim Laufen eines Ultras und dessen Zieleinlauf erlebt, kann man (zum Glück) nicht kaufen. Das muss man sich hart erarbeiten. Aber wie es sich lohnt, dafür zu kämpfen..!
Erfolgreich zu sein verlangt das Selbstvertrauen, richtig entschieden zu haben und für diesen Entscheid auch leiden zu können.
In diesem Sinne: RUN ON!
Weitere Infos: http://www.sardona-ultratrail.com
Zahlreiche Bilder gibts hier: http://www.marathon4you.de/marathon/sardona-ultra-trail/2671
Weitere Infos: http://www.sardona-ultratrail.com
Zahlreiche Bilder gibts hier: http://www.marathon4you.de/marathon/sardona-ultra-trail/2671
Dienstag, 4. September 2012
Streckenbesichtigung
Nachdem ich bereits früh meinen Entscheid über die Teilnahme an der erstmaligen Austragung des Sardona Ultratrail getroffen habe, war ich diverse Male im Gebiet, um Teilstrecken der insgesamt 80km anzuschauen, mir heikle Verzweigungen und knifflige oder gar gefährliche Stellen zu merken etc.
Auch am Sonntag 02. September 2012 war ich wieder unterwegs. 1400hm rauf, 750hm runter stand heute auf dem Programm. Eine relativ gemütliche Sache sollte es werden, ohne jeden Stress, dafür aber die Strecke gut einprägen. In der Erwartung, das Rennen zu finishen, werde ich diesen Abschnit mit grosser Wahrscheinlichkeit in der Nacht laufen. Daher gilt meine volle Aufmerksamkeit dem Karten- und Wegstudium.
Darüber zu berichten - und zu lesen - ist jedoch zu langweilig. Daher ein paar Impressionen von der eindrücklichen Region rund um den Pizol und dessen Hinterland.
Zum Schluss gabs eine herzliche Begrüssung durch neu gewonnene Kumpels (siehe Bilder).
Rock hard but smart!
Auch am Sonntag 02. September 2012 war ich wieder unterwegs. 1400hm rauf, 750hm runter stand heute auf dem Programm. Eine relativ gemütliche Sache sollte es werden, ohne jeden Stress, dafür aber die Strecke gut einprägen. In der Erwartung, das Rennen zu finishen, werde ich diesen Abschnit mit grosser Wahrscheinlichkeit in der Nacht laufen. Daher gilt meine volle Aufmerksamkeit dem Karten- und Wegstudium.
Darüber zu berichten - und zu lesen - ist jedoch zu langweilig. Daher ein paar Impressionen von der eindrücklichen Region rund um den Pizol und dessen Hinterland.
Zum Schluss gabs eine herzliche Begrüssung durch neu gewonnene Kumpels (siehe Bilder).
Rock hard but smart!
Und am Ende siegt das Herz...
Nach langem Zögern hatte ich mich nun doch entschieden. Die Faszination liess mich nicht mehr los, die Zweifel, ob ich schon bereit dafür bin, jedoch auch nicht. Schlussendlich hat das Herz entschieden und am 15. September 2012 ists bereits soweit. Ein grosses Abenteuer steht mir bevor, das zeitlich jedoch begrenzt ist und auch ansonsten seine Grenzen und Gesetzmässigkeiten stellt. Ob ich dazu wirklich bereit bin, wird sich zeigen.. unweigerlich, ohne Rücksicht, gnadenlos.
Über 6500 Höhenmeter gedenke ich zu bewältigen, d.h. einmal rauf, einmal runter. Jedoch nicht an einem Stück, sondern immer schön verteilt: Mal rauf, mal runter, mal wieder rauf, mal runter .... und so weiter. Bis ich 6500HM rauf und 6500 HM runter absolviert habe. Aber alles am Stück, ohne Erholungspausen oder dergleichen. Am Ende bin ich erst, wenn mich die Kräfte verlassen, mein Körper streikt, die Psyche blockt, die Uhr abgelaufen ist oder die Strecke zu Ende ist. 80km sind geboten, zu Fuss und (ausser Teleskopstöcke) ohne irgendwelche Fortbewegungshilfsmittel. Schlafen will ich nicht, ich will ins Ziel. Ich gebe mir 26h Zeit, eine laufende "Nachtschicht" wird also auch bewältigt. Bisher kenne ich das Laufen im Dunkeln nur vom Bergsteigen. Dann jedoch auch nie alleine. Dieses Mal wird alles anders... Ich muss mich darauf einstellen, die grösste Zeit der Nacht alleine zu sein. Hat sich nicht letzthin ein Wolf hier in die Gegend verirrt? ... ich lasse diesen Gedanken besser wieder los und freue mich auf die Dunkelheit. Je früher ich mich damit anfreude, desto besser.
Die Uhr tickt, mein Herz kommt ins Rasen, wenn ich nur schon daran denke: Freude, Abenteuerlust, Faszination und euch ein bisschen Ehrfurcht, Achtung und Respekt vor dieser Mordsangelegenheit schwingen stets mit.
Ich bin mir völlig im Klaren, dass diese Tour eine TorTOUR darstellt. Ich bin mir auch völlig bewusst, dass meine Grenzen gesetzt sind und ich diese überschreiten muss, wenn ich hier wirklich finishen will. Ich muss meine mentale Stärke also voll ausspielen und noch einen Schritt weiter gehen. Ich ich ich, immer ich. Ja, so ist es in diesem Fall leider. Am Schluss bin ich es, der leidet, der beissen muss, der immer wieder über die Sinnhaftigkeit dieses Wettkampfs sinniert, der laufen und kämpfen muss etc. Unterstützung gibts nur in Form von einigen wenigen Verpflegungsposten. Den grossen Rest muss ich selber bewältigen.
Mehr Infos - und weitere Startplätze, auch für kürzere Distanzen :) - gibts hier: Sardona Ultratrail
Run on!
Über 6500 Höhenmeter gedenke ich zu bewältigen, d.h. einmal rauf, einmal runter. Jedoch nicht an einem Stück, sondern immer schön verteilt: Mal rauf, mal runter, mal wieder rauf, mal runter .... und so weiter. Bis ich 6500HM rauf und 6500 HM runter absolviert habe. Aber alles am Stück, ohne Erholungspausen oder dergleichen. Am Ende bin ich erst, wenn mich die Kräfte verlassen, mein Körper streikt, die Psyche blockt, die Uhr abgelaufen ist oder die Strecke zu Ende ist. 80km sind geboten, zu Fuss und (ausser Teleskopstöcke) ohne irgendwelche Fortbewegungshilfsmittel. Schlafen will ich nicht, ich will ins Ziel. Ich gebe mir 26h Zeit, eine laufende "Nachtschicht" wird also auch bewältigt. Bisher kenne ich das Laufen im Dunkeln nur vom Bergsteigen. Dann jedoch auch nie alleine. Dieses Mal wird alles anders... Ich muss mich darauf einstellen, die grösste Zeit der Nacht alleine zu sein. Hat sich nicht letzthin ein Wolf hier in die Gegend verirrt? ... ich lasse diesen Gedanken besser wieder los und freue mich auf die Dunkelheit. Je früher ich mich damit anfreude, desto besser.
Die Uhr tickt, mein Herz kommt ins Rasen, wenn ich nur schon daran denke: Freude, Abenteuerlust, Faszination und euch ein bisschen Ehrfurcht, Achtung und Respekt vor dieser Mordsangelegenheit schwingen stets mit.
Ich bin mir völlig im Klaren, dass diese Tour eine TorTOUR darstellt. Ich bin mir auch völlig bewusst, dass meine Grenzen gesetzt sind und ich diese überschreiten muss, wenn ich hier wirklich finishen will. Ich muss meine mentale Stärke also voll ausspielen und noch einen Schritt weiter gehen. Ich ich ich, immer ich. Ja, so ist es in diesem Fall leider. Am Schluss bin ich es, der leidet, der beissen muss, der immer wieder über die Sinnhaftigkeit dieses Wettkampfs sinniert, der laufen und kämpfen muss etc. Unterstützung gibts nur in Form von einigen wenigen Verpflegungsposten. Den grossen Rest muss ich selber bewältigen.
Mehr Infos - und weitere Startplätze, auch für kürzere Distanzen :) - gibts hier: Sardona Ultratrail
Run on!
Dienstag, 21. August 2012
Hot stuff...
Der Sommer brachte wenig sportliches mit sich; Letztes Jahr noch total verschifft im Südtirol, stand diesen Sommer ein Umzug auf dem Programm.
So kam es - wie zu erwarten war - zu keinen besonderen sportlichen Aktivitäten, zumindest nicht was das Bergsteigen angeht.
Nach diversen Laufeinheiten finishte ich bei meiner ersten Teilnahme den Graubündenmarathon. 42km und rund 2800 HM aufwärts standen auf dem Plan. Dies gelang mir erstaunlich locker, obwohl das mir selbst auferlegte Ziel 'lediglich' das Finishen war. Nach etwas mehr als 6h war ich von Chur kommend auf dem Gipfel des Rothorns angekommen und hätte noch weiter laufen und wollen. Doch oben war Schluss, meine Teilnahme von Erfolg gekrönt und der Durst auf mehr und Härteres gewachsen.
Ein neues Ziel wurde gesteckt - das hier noch geheim bleiben soll - und so machte ich mich regelmässig an meine Laufeinheiten. Meine Freundin Johanna erkundete mit mir die Wälder um Sargans, ihre neu gewonnenen Freude am Biken ist ihrem nagelneuen e-Fully der Marke Haibike zu verdanken. Für mich hat sich allerdings nicht viel verändert; statt geradeaus gehts nun steil aufwärts. Zudem, zu meinen sportlichen Nachteil, pedalt Johanna nun locker und mit einem Lächeln ihren Triumpf zelebrierend jeden Hang hoch fast ohne zu schwitzen, während ich keuchend hinterherjogge.
Am Samstag 18. August nahm ich zum ersten Mal an einem Halbmarathon teil. Das schöne und leicht abgelegene Gohl im Emmental hatte mir einen ebensolchen zu bieten. 21km und rund 700HM +/- waren vorgegeben. Eigentlich eine einfache Sache, aber die Temperatur war hier die Hauptschwierigkeit. Deutlich über 30° C und ohne ein Lüftchen. Na bravo... schon nach 2 km wusste ich, wo der Hase im Pfeffer steckt. Nach schweisstreibenden 130min endlich im Ziel, allerdings das gewünschte Soll von unter 2h deutlich verfehlt. Angesichts der heissen Temperaturen bin ich froh, überhaupt gefinished zu haben. Manchmal muss man sich, trotz ohne wirkliche Ambitionen gestartet, mit weniger begnügen...
So kam es - wie zu erwarten war - zu keinen besonderen sportlichen Aktivitäten, zumindest nicht was das Bergsteigen angeht.
Nach diversen Laufeinheiten finishte ich bei meiner ersten Teilnahme den Graubündenmarathon. 42km und rund 2800 HM aufwärts standen auf dem Plan. Dies gelang mir erstaunlich locker, obwohl das mir selbst auferlegte Ziel 'lediglich' das Finishen war. Nach etwas mehr als 6h war ich von Chur kommend auf dem Gipfel des Rothorns angekommen und hätte noch weiter laufen und wollen. Doch oben war Schluss, meine Teilnahme von Erfolg gekrönt und der Durst auf mehr und Härteres gewachsen.
Ein neues Ziel wurde gesteckt - das hier noch geheim bleiben soll - und so machte ich mich regelmässig an meine Laufeinheiten. Meine Freundin Johanna erkundete mit mir die Wälder um Sargans, ihre neu gewonnenen Freude am Biken ist ihrem nagelneuen e-Fully der Marke Haibike zu verdanken. Für mich hat sich allerdings nicht viel verändert; statt geradeaus gehts nun steil aufwärts. Zudem, zu meinen sportlichen Nachteil, pedalt Johanna nun locker und mit einem Lächeln ihren Triumpf zelebrierend jeden Hang hoch fast ohne zu schwitzen, während ich keuchend hinterherjogge.
Am Samstag 18. August nahm ich zum ersten Mal an einem Halbmarathon teil. Das schöne und leicht abgelegene Gohl im Emmental hatte mir einen ebensolchen zu bieten. 21km und rund 700HM +/- waren vorgegeben. Eigentlich eine einfache Sache, aber die Temperatur war hier die Hauptschwierigkeit. Deutlich über 30° C und ohne ein Lüftchen. Na bravo... schon nach 2 km wusste ich, wo der Hase im Pfeffer steckt. Nach schweisstreibenden 130min endlich im Ziel, allerdings das gewünschte Soll von unter 2h deutlich verfehlt. Angesichts der heissen Temperaturen bin ich froh, überhaupt gefinished zu haben. Manchmal muss man sich, trotz ohne wirkliche Ambitionen gestartet, mit weniger begnügen...
Mittwoch, 30. Mai 2012
Rösti on the Rocks; Finsteraarhorn 4274m 20. Mai 2012
Morgens um 4.00 Uhr klingelt der Wecker. Ich hätte schon um 24.00 Uhr loslaufen können; schweissnass und unruhig wollte ich nur noch los und war froh, als es endlich soweit war.
Der sympatische Hüttenwart war schon um 4.00 Uhr morgens gnadenlos und hat uns zwei Finsteraarhornhütte-Greenhorns schonungslos entlarvt, sehr zur Freude der anwesenden 'alten Hasen'. Nun wissen wir, dass Kaffee, Tee und Brot an den Tisch serviert wird und aus Kacheli wie zu Grossvaters Zeiten und nicht aus Tassen getrunken wird. Mir war das Kacheli durchaus sympatisch, nicht aber der geistige Frühsport. Wie auch immer, wir haben uns auch ein bisschen amüsiert - es blieb uns auch nichts Anderes übrig.
Um 5.00 Uhr gings im Schnee mit unseren Brettern los über harte und steile Partien. Der Frühstücksplatz 3616müm war schnell erreicht, der Wind nahm mit zunehmener Höhe zu und auch die Temperaturen wurden immer frischer. Vom Frühstücksplatz glaubt man den Hugisattel 4088müm in greifbarer Nähe. Nur der Narr lässt sich täuschen; die Karte hat immer recht...
Wir waren froh, dass wir zur ersten von drei Gruppen gehörten, sodass wir zwar am Morgen eine Stunde früher raus mussten, dafür standen wir aber bereits am Nordwestgrat und mussten nicht mit viel Stau rechnen. Nach luftiger Kletterei in besten Verhältnissen (teilweise hervorragender Trittschnee) erreichten wir den Gipfel ohne grössere Schwierigkeiten. Steigeisen und Pickel erwiesen ihren Dienst.
Der Abstieg gelang uns recht zügig, auch wenn wir nun zahlreichen Aufsteigenden auswichen und diesen Platz machten. Die anschliessende Abfahrt gestaltete sich als abwechslungsreich, denn wir befanden uns mal in einem totalen White-out, mal in absoluter Wolkenfreiheit. Und zwar nicht von Minute zu Minute, sondern innerhalb von einigen wenigen Sekunden änderte die Situation komplett.
Um ca. 10.45 Uhr standen wir zu unserem Erstaunen bereits wieder in der Hütte, nur 6 Stunden nach dem Start auf insgesamt 1200Höhenmeter. Da ich mich für diese Tour auf mein absolutes Nahrungsminimum einliess (2 Riegel, 1 Geltube, Halbe Tafel Schokolade, einige Traubenzuckerstückchen), knurrte mein Magen. Gerade mal zwei kleine Traubenzuckerstücken, einenSchluck Tee und zwei Feldli Schokolade hatte ich dem (scheinbar) streng rationierten Esssäckli entlockt. (Hinweis: Für 3 Tage hatte ich 2 Tafeln Schokolade, 6 Riegel, Traubenzucker, Käse und Bündnerfleisch dabei. Zurückgebracht hatte ich praktisch alles. Ich nahm mir vor, bei den nächsten Touren weiterhin meine Essensrationen abzuspecken.)
Die Finsterirösti war ein Meisterwerk des Hüttenchefs, gut portioniert und zu gut, um wirklich genug davon zu kriegen. Wer auf der Finsteraarhornhütte ist und diese Finsterirösti nicht probiert, hat wirklich etwas verpasst...! Diese Rösti gehört auf die Liste der 100 Dinge, die man in seinem Leben mal gemacht haben muss :)
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Am Montag 28.05.2012 stand ein "toller" Tag bevor: Zurück zum Jungfraujoch. Mit zwei tollen Touren liess sich dieser sehr lange Rückweg erstaunlich locker und gut angehen. Nach einem Anstieg und Abfahrt von der Grünhornlücke erreichten wir den Konkordiaplatz, wo eine verzweifelte Italienierin unseren Schutz suchte. Offenbar hat ihre Kollegin, mit der sie von der Konkordiahütte zum Joch wollte, sie im Stich gelassen. Ja, man kann offenbar wirklich bei Tageslicht jemanden auf dem Konkordiaplatz verlieren, die Italienerinnen machten es vor...! Luisa, wie wir herausgefunden haben, erblickte ziemlich bald in weiter Ferne eine Person, die aber gemäss ihrer Auskunft nicht ihre Kollegin sein konnte, denn diese sei ausschliesslich langsam unterwegs. Pirmin wollte wohl Luisas Kondition testen, denn er legte ein zügiges Tempo vor. Luisa folgte, sprach nicht wenig und wenn dann über Pirmins lange Beine (wohl wollte sie damit wohl etwas Anderes mitteilen... :) ). Erstaunlicherweise entfernte sich die einzelne Person immer mehr von uns. Nein, Luisa war sich sicher, das konnte nicht ihre Begleitung sein.
Einige Zeit später stellte sich dann auf dem Joch heraus, dass diese Person vor uns, die noch schneller als wir lief, tatsächlich ihre Bekannte war. Ich möchte nicht wissen, was die beiden nach dem Zusammentreffen alles besprochen haben. Die Situation, dass beim Runterfahren vom Joch beide in einem unterschiedlichen Abteil sassen, sprach jedenfalls Bände. :)
In knapp 5h erreichten wir von der Finsteraarhornhütte über die Grünhornlücke das Joch. Pirmin hat seine "Berner Oberländer - Taufe" mit Bravour bestanden und reiste mit einem breiten Grinsen nach Hause.
Stai bain Pirmin, grazia vetg + sin seveser!
Der sympatische Hüttenwart war schon um 4.00 Uhr morgens gnadenlos und hat uns zwei Finsteraarhornhütte-Greenhorns schonungslos entlarvt, sehr zur Freude der anwesenden 'alten Hasen'. Nun wissen wir, dass Kaffee, Tee und Brot an den Tisch serviert wird und aus Kacheli wie zu Grossvaters Zeiten und nicht aus Tassen getrunken wird. Mir war das Kacheli durchaus sympatisch, nicht aber der geistige Frühsport. Wie auch immer, wir haben uns auch ein bisschen amüsiert - es blieb uns auch nichts Anderes übrig.
Um 5.00 Uhr gings im Schnee mit unseren Brettern los über harte und steile Partien. Der Frühstücksplatz 3616müm war schnell erreicht, der Wind nahm mit zunehmener Höhe zu und auch die Temperaturen wurden immer frischer. Vom Frühstücksplatz glaubt man den Hugisattel 4088müm in greifbarer Nähe. Nur der Narr lässt sich täuschen; die Karte hat immer recht...
Wir waren froh, dass wir zur ersten von drei Gruppen gehörten, sodass wir zwar am Morgen eine Stunde früher raus mussten, dafür standen wir aber bereits am Nordwestgrat und mussten nicht mit viel Stau rechnen. Nach luftiger Kletterei in besten Verhältnissen (teilweise hervorragender Trittschnee) erreichten wir den Gipfel ohne grössere Schwierigkeiten. Steigeisen und Pickel erwiesen ihren Dienst.
Der Abstieg gelang uns recht zügig, auch wenn wir nun zahlreichen Aufsteigenden auswichen und diesen Platz machten. Die anschliessende Abfahrt gestaltete sich als abwechslungsreich, denn wir befanden uns mal in einem totalen White-out, mal in absoluter Wolkenfreiheit. Und zwar nicht von Minute zu Minute, sondern innerhalb von einigen wenigen Sekunden änderte die Situation komplett.
Um ca. 10.45 Uhr standen wir zu unserem Erstaunen bereits wieder in der Hütte, nur 6 Stunden nach dem Start auf insgesamt 1200Höhenmeter. Da ich mich für diese Tour auf mein absolutes Nahrungsminimum einliess (2 Riegel, 1 Geltube, Halbe Tafel Schokolade, einige Traubenzuckerstückchen), knurrte mein Magen. Gerade mal zwei kleine Traubenzuckerstücken, einenSchluck Tee und zwei Feldli Schokolade hatte ich dem (scheinbar) streng rationierten Esssäckli entlockt. (Hinweis: Für 3 Tage hatte ich 2 Tafeln Schokolade, 6 Riegel, Traubenzucker, Käse und Bündnerfleisch dabei. Zurückgebracht hatte ich praktisch alles. Ich nahm mir vor, bei den nächsten Touren weiterhin meine Essensrationen abzuspecken.)
Die Finsterirösti war ein Meisterwerk des Hüttenchefs, gut portioniert und zu gut, um wirklich genug davon zu kriegen. Wer auf der Finsteraarhornhütte ist und diese Finsterirösti nicht probiert, hat wirklich etwas verpasst...! Diese Rösti gehört auf die Liste der 100 Dinge, die man in seinem Leben mal gemacht haben muss :)
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Am Montag 28.05.2012 stand ein "toller" Tag bevor: Zurück zum Jungfraujoch. Mit zwei tollen Touren liess sich dieser sehr lange Rückweg erstaunlich locker und gut angehen. Nach einem Anstieg und Abfahrt von der Grünhornlücke erreichten wir den Konkordiaplatz, wo eine verzweifelte Italienierin unseren Schutz suchte. Offenbar hat ihre Kollegin, mit der sie von der Konkordiahütte zum Joch wollte, sie im Stich gelassen. Ja, man kann offenbar wirklich bei Tageslicht jemanden auf dem Konkordiaplatz verlieren, die Italienerinnen machten es vor...! Luisa, wie wir herausgefunden haben, erblickte ziemlich bald in weiter Ferne eine Person, die aber gemäss ihrer Auskunft nicht ihre Kollegin sein konnte, denn diese sei ausschliesslich langsam unterwegs. Pirmin wollte wohl Luisas Kondition testen, denn er legte ein zügiges Tempo vor. Luisa folgte, sprach nicht wenig und wenn dann über Pirmins lange Beine (wohl wollte sie damit wohl etwas Anderes mitteilen... :) ). Erstaunlicherweise entfernte sich die einzelne Person immer mehr von uns. Nein, Luisa war sich sicher, das konnte nicht ihre Begleitung sein.
Einige Zeit später stellte sich dann auf dem Joch heraus, dass diese Person vor uns, die noch schneller als wir lief, tatsächlich ihre Bekannte war. Ich möchte nicht wissen, was die beiden nach dem Zusammentreffen alles besprochen haben. Die Situation, dass beim Runterfahren vom Joch beide in einem unterschiedlichen Abteil sassen, sprach jedenfalls Bände. :)
In knapp 5h erreichten wir von der Finsteraarhornhütte über die Grünhornlücke das Joch. Pirmin hat seine "Berner Oberländer - Taufe" mit Bravour bestanden und reiste mit einem breiten Grinsen nach Hause.
Stai bain Pirmin, grazia vetg + sin seveser!
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| Morgenstimmung, Blick ins Wallis |
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| Hugisattel, Grat zum Gipfel |
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| Kurz vor dem Gipfel |
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| Geschätzte 80 Personen waren an diesem Tag auf dem Gipfel |
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| Lauteraarhorn mit Südcouloir |
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| Bei warmen Verhältnissen geht hier irgendwann ordentlich die Post ab... |
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| An nächsten Morgen, unterwegs zur Grünhornlücke |
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| Dreieckhorn, verdeckt Aletschhorn, Lötschenlücken. Vom Grünhornpass Blick gegen Lötschental (West) |
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| Morgenstimmung am Finsteraarhorn |
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| Luisa und Pirmin |
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| Aletschhorn und Haslerrippe |
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| 180° Panorama |
| 360° Panorama |
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| Jungfraujoch - Sphinx |
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