Allerlei andere Berge hat man mir vorgeschlagen, allerdings war ich nicht bereit, in Nepal auf einen klassischen "Gletschtergewackel" zu gehen. Ich wollte etwas Technisches, nicht reines Trekking, wollte bergsteigen, nicht wandern. Das haben meine Nepali Freunde rasch begriffen und so kam Singu Chuli (sprich: Singa Tsuli) ins Spiel. Die anderen Vorschläge waren nicht minder hoch, einfach bedeutend einfacher. Die Thematik rund um (aus Zeitgründen, siehe Bericht Nepal Part 1: Vom Winde verweht...) die mangelhafte Akklimatisation war bei allen vorgeschlagenen Bergen identisch.
Dann gings endlich los! Eine abenteurliche, sechsstündige Fahrt auf den mit Schlaglöchern übersäten nepalesischen Strassen nach Pokhara - Nayapul war angesagt. Unterwegs gabs allerlei Action: Monsunartiger Regen, anlaufende Fenschterscheiben entblösten das nicht funktionstüchtige Umluftsystem im Auto, Fahrt bei total beschlagenen Fenstern und Null Sicht da Nebel und schlechtem Autolicht durch geisterhafte Dörfer, Tee irgendwo im nirgendwo in einer Blechbarracke (zum Glück schmeckte der Tee besser als die Hütte aussah; sie war in desolatem Zustand, wie leider so vieles in Nepal) etc.
Angekommen und genächtigt in Nayapul, wurde am nächsten Tag das Gipfelpermit am vorgesehenen Kontrollposten artig gezückt und gezeigt. Danach gings endlich los ins unendlich scheinende Tal. Beim Start wusste ich lediglich, dass es circa drei bis vier Tage nur in eine Richtung ging: Taleinwärts, aufwärts. So wars dann auch. Immer weiter, immer höher. Gestartet auf ca. 1000m, kamen wir nach drei jeweils langen Tagen mit ca. 90kg Ausrüstung, Zelt und Nahrungsmittel im 40km entfernten Macchapucchre-Basecamp an. Dieses befindet sich nur rund 1.5h unterhalb des South-Annapurna-Basecamps auf 3700m auf einer Moräne, die die Mächtigkeit vorzeitlicher Gletschter eindrücklich demonstriert.
Alle Nächte haben wir in sogenannten Lodges verbracht. Wer sich dabei eine komfortable und saubere Unterkunft im SAC-Stil vorstellt, liegt völlig falsch; es handelt sich um einigermassen robuste, mit Steinen aufgebaute Unterkünfte, die jeweils 6-12 Doppel- oder Mehrfachzimmer bieten. Als Betten bestehen der Einfachheit halber aus Mehrschichtplatten mit Schaumstoffmatraze. That's it.
Andererseits, wer braucht wirklich mehr in dieser Region? Ab Ghandruk fahren keine Autos mehr, die Strasse musste kleinen Gehwegen weichen. Ab Ghandruk muss alles von Einheimischen getragen werden. Nur Esel erleichtern gewisse Transportstrecken und Wasserbüffel helfen bei der Pflege und Erstellung von Reisfeldern. Ansonsten wird in diesem langen Tal alles von menschlichen Pferdestärken geleistet. In Anbetracht der bestehenden Infrastruktur, die keinesfalls als modern bezeichnet werden darf (zumindest nicht im Sinn der westlichen Kultur), müssen unzählige menschliche PS geleistet worden sein, um nur den aktuellen zweckmässigen Ausbaustandard erreicht zu haben! Ich bin wirklich erstaunt!!
Nayapul, unsere Nachbarn für eine N8. Ausgangspunkt der Expedition.
Permit-Kontrollposten
Reisfelder in allen Grössen und Formen
Auch das kann man transportieren...
Einfache und rustikale Behausung
Blick in die ersten von vielen Kilometern dieses Tals
Back to (some part of) the roots; simple und ausreichende Zimmer in Chhumrong
Macchapucchre 6995m, heiliger Berg, auch wegen seines Gipfels Fishtail genannt
Macchapucchre-Basecamp 3700m