Mittwoch, 26. Dezember 2012

Ngima Grimen Sherpa Foundation

Ngima und ich hatten viele gemeinsame Pläne. Während unserer Expedition und der vielen gemeinsam verbrachten Zeit gab es auch genügend Möglichkeiten, um sich mit allerlei Gedanken auseinanderzusetzen.

Leider kommt es nicht mehr dazu und dennoch bleibt die Absicht bestehen: Ich möchte sicherstellen, dass Ngimas Familie den Support erhält und die Ziele erreicht, die Ngima für sich ganz gross auf die Fahne gschrieben hat. Es geht hier vorallem um die Grundbedürfnisse und die schulische Ausbildung seiner beiden kleinen Töchter. Er selber musste die Schule im Alter von 10 Jahren verlassen, um daheim auf dem kleinen Hof zu helfen. Seine Frau hat nie die Schule besucht und kann somit weder lesen, noch schreiben.

Daher wollte Ngima unbedingt, dass seine beiden Töchter auf eine gute, aber kostspielige Schule gehen könnenn. Da ich dies jedoch nie alleine erreichen kann, bin ich auf deine Hilfe geschätzter Leser, angewiesen. Wir können Ngima nicht mehr zurückholen, aber wir können seiner Familie eine Perspektive bieten, die sie im Moment in keinster Weise hat. Da ist einfach nichts. Keine Perspektive, keine Hoffnung, keine Aussicht auf Besserung. Nichts.


Wie du helfen kannst, erfährst du hier:

http://sherpa-foundation.blogspot.com


Diese Foundation wurde eigenes von mir für Ngima ins Leben gerufen. Ich bitte dich inständig um deine Hilfe. Ngimas Familie (Frau, Kinder, Eltern, Geschwister, Neffen und Nichten; alle wohnen sie im selben Haus auf dem selben kleinen Fleck Erde) würde sich über jede noch so kleine Aufmerksamkeit freuen!

Im Weiteren bitte ich dich um ein Verbreiten des Links auf dem digitalen Weg; Statusmeldung in Facebook oder Twitter, persönliche Gespräche etc. Alles, was Ngimas Familie dienen kann, wird sehr geschätzt!

Aufrichtigen Dank!


Veröffentlichung Nepalbericht unterbrochen

Es ist 05.53 Uhr morgens, ich bin wach, wie ich es die ganze Nacht schon war. Ich kann nicht schlafen und leider aus gutem Grund:

Mein treuer Begleiter, der nepalesische Bergführeraspirant Ngima Grimen Sherpa, hat am Weihnachtstag 25.12.2012 (Nepalesische Zeit) sein Leben in einem Motorradunfall in Kathmandu verloren. Er hinterlässt eine Frau und zwei junge Mädchen (8, 1) sowie eine komplette Familie (Eltern, Geschwister), für dessen Unterhalt und Lebensstandard er als Bergführer alleine sorgte, da in seiner Heimat keine Jobs erhältlich sind (Bergregion).

Aus diesem Anlass habe ich mich entschlossen, mit der Berichterstattung (4. und 5. Teil) meiner Nepalexpedition zuzuwarten und sie somit für die nächsten paar Wochen ruhen zu lassen. In dieser Zeit werde ich festlegen, sobald die Gedanken dies wieder zulassen, wie ich mit dieser Reihe weiterzufahren gedenke. Im Moment kann ich aber nicht guten Mutes und mit positiver Einstellung einen Resebericht verfassen. Ich danke dir geschätzter Leser fürs Verständnis.


Die letzten gemeinsamen Minuten, Oktober 2012 in einem edlen Lokal in Kathmandu



Sonntag, 2. Dezember 2012

Nepal Part 3: Die wahren Helden am Berg

Parallel zum Laufen auf den ausgetretenen Pfaden wandern meine Gedanken ständig umher: Singa Chuli, Nepal, Trekking, Berge, Schnee, Einsamkeit, Expedition, Porter.... die Liste wäre nicht abschliessend. Ich bin völlig fasziniert von dieser Abgeschiedenheit, von der Einfachheit der hier lebenden Familie. Mein Geist kann sich völlig erholen, während meine Füsse sich immer wieder duellieren und keiner im Hintertreffen bleiben will. Ich bin zudem aber auch völlig perplex und fühle mich irgendwie entblöst, peinlich berührt, schuldig. Es liegt zwar nicht an mir, noch trifft mich ein Verschulden, dennoch fühle ich mich irgendwie schlecht. Bisher bin ich immer von einem Wechselspiel ausgegangen, von einer zweiseitigen Win-Win-Situation. Nun merke ich, dass es hier in diesem Spiel nur einen Gewinner gibt: Den Gast! Mich. Das behagt mir gar nicht.

Ich spreche von den Trägern, auf Neudeutsch und Nepalesisch Porter. Sie werden für ihre Arbeitskraft, Material für die Touristen raufzuschleppen, entschädigt. Eines Abends zu Beginn meiner Expedition bin ich in Kontakt mit einem Porter einer anderen Gruppe gekommen. Da er sehr gut Englisch sprechen konnte, stand einem intensiven und tiefergründigen Gespräch nichts im Weg. So erfuhr ich, dass die Träger für ihre Arbeit hier im Tal für die Strecke Nayapul – South Annapurna-Basecamp normalerweise 800 nepalesische Rupien erhalten. Dies entspricht in etwa 10 sFr. Und zwar nicht pro Tag, sondern für die gesamte Tour. 10 sFr. für 8-10 Tage, je nach Kondition der Gäste. Zudem kommen sie selber für ihre Mahlzeiten auf: Dhal Bat, ein nepalesisches Nationalgericht, bestehend aus Reis, Curry und verschiedenem Gemüse. 1x Dhal Bat kostet 300 – 400 Rupien pro Mahlzeit, Preis mit zunehmender Entfernung vom Taleingang stark steigend.
Man braucht keine Lehre bei Adam Ries gemacht zu haben um zu bemerken, dass die Träger schon nach 2 Tagen ein Verlustgeschäft einfahren. Als ich von ihrem läppischen Lohn erfahren habe, schwankte mein Gefühl zwischen Erbostheit und Schuldgefühlen. Erbost war ich über die Frechheit der Anbieter, den Trägern keinen besseren Lohn zu bezahlen, schuldig fühlte ich mich, weil ich meinen drei Trägern eine Arbeit bot, die für sie ein Verlustgeschäft bedeutete. Das muss man sich mal vor Augen führen: Wer arbeitet schon, obwohl er weiss, dass er am Schluss weniger Geld hat als zuvor? 

Die einzigen Gründe, warum man als Träger diese Arbeit dennoch annimmt und ausführt, liegen auf der Hand: 
1. Es gibt andere Träger, die für diesen Preis arbeiten (und so kommt nie eine Besserung zu Stande)
2. Erhalten die Träger am Schluss der Tour ein ordentliches Trinkgeld, so hat sich dies für sie gelohnt.

Genau letzteres nahm ich mir strikte vor, zumal ich ersteres nicht beeinflussen konnte! Und mich entsprechend bei meiner Agentur über diesen für mich unverständlichen Zustand zu Gunsten meiner Kumpels beklagen. Was ich dann auch anständig, aber bestimmt tat.

Und so kreuzen sich auf den Wegen nach und von Macchapucchre – Basecamp Welten: Asiatische Gesichter mischen sich mit Europäischen/Amerikanischen, verschiedene Hautfarben wechseln sich mit Koreanern im Vollschutz (zugeknöpft und zugeschnürt bis unter die Haarspitzen, als müssten sie an der Dschungelshow „Ich bin ein Star, holt mich hier raus!“ in ein Insektenbecken tauchen, arm trifft auf reich... Unterschiede könnten nicht grösser sein. Während die einen Touristen einen oder gar keinen Rucksack tragen, tragen die Porter 1-4 grosse Reisetaschen der Touristengruppen hoch. Da fühle ich mich mit meinem vollen, ca. 15kg schweren 65Liter-Rucksack doch einigermassen gut aufgehoben.

Bei jedem Kreuzen von anderen Gruppen spüre ich es wieder, dieses Gefühl von Ungerechtigkeit, von Schuldgefühlen, da ich nun auch weiss, dass praktisch alle Porter ebenso wenig verdienen wie meine drei Kumpels. Immer wieder kreuzen sich die Blicke und immer, wenn mich einer der nepalesischen Blicke trifft, fühle ich mich schuldig.
Ich musste irgendwie dieses Schuldgefühl loswerden. So nahm ich mir vor, dass ich mit allen Touristen, mit denen ich am Abend in den Lodges (auf der gesamten Strecke) jeweils ins Gespräch kam, dieses Thema in neutraler und informativer Form ansprechen möchte, sollte sich die Situation dazu ergeben. Dies tat ich dann auch und erleichterte mich doch immer mehr. Nicht in aufdringlicher Art, aber einfach in für mich befreiender Form.