Vorbereitungen:
Das langersehnte Rennen ist am 15. September endlich erfolgt. 3 Stunden vor dem Start bin ich aufgestanden (da der Lauf in den Bergen der Pizolregion stattfand, hatte ich gewissermassen "Heimschlafvorteil"), die Nervosität hat mit jedem Meter, den ich näher zum Startbereich kam, zugenommen. Trotz der auf Grund des Schnees verkürzten und abgeänderten Strecke sollte es auch so kein Zuckerschlecken werden. Das war mir von vornherein klar. Mir kam die Abkürzung, die auch weniger Höhenmeter beinhaltete, nicht ganz ungelegen, zumal so meine Chancen auf dein Rennende mit Zieleinlauf so erhöht wurden.
Der Rucksack mit der Pflichtausrütung war gepackt, kaum überflüssiges Material dabei. Und doch haben die Spitzenläufer verdächtig kleine Rucksäcke dabei. Ob da wirklich die komplette Pflichtausrüstung reinpasst...
Startschuss:
Der Schuss aus der Pistole setzte den auditiven Start. Das Rennen, das ich gemütlich angehen wollte, begann wie erhofft: Die ersten Meter wurden joggend überwunden, danach gings zügig und kraftsparend aufwärts. Schon bald wurde der Anlass seinem Namen gerecht. Schöne und schmale Trails in toller Landschaft führten nach knapp 1.5h zum höchsten Punkt im Rennen und zu emotionalen Höhenflügen.
Wir schrieben ca. km 10. Auf der Scharte beim Gamidaurspitz gings runter nach Schwendi 1300HM in weniger als einer Stunde, danach lang und anhaltend über Weisstannen zur Spitzmeilenhütte.
Mein Wegbegleiter:
Schon von Anfang an bin ich immer wieder hinter zwei strammen Waden hergelaufen. Sie gehörten Claus Brock, den ich vor dem Rennen noch nicht kannte. In Schwendi sprachen wir miteinander und sollten uns noch während des gesamten Rennens Gesellschaft leisten. Claus gebürt ein ganz grosses Dankeschön für die Gesellschaft, die vielen guten Gespräche (Zeit hatten wir mehr als genug..), die motivierenden Worte und sehr angenehme Gesellschaft! Wäre sehr schön, dich mal wieder an einem Lauf zu treffen oder gar einige Meter/km mit dir zu laufen.
On the trail again...:
Die Streckenänderung brachte nicht nur Vorteile mit sich: Von Weisstannen führte die Strecke bis Untersäss mehrheitlich über Asphalt. Das war gar nichts für meine Knochen; Auf dem Rückweg (so viel sei vorweg genommen) der über dieselbe Strecke führt, schoss mir jeder Schritt auf Asphalt dermassen in die Knochen, dass von Erholung beim Abwärtsspringen nicht der Hauch von Erholung möglich war.
Nach einen langen und Kräfte zehrenden Aufstieg ab Weisstannen kamen wir endlich auf der Scharte an, wo es noch eine gefühlte Ewigkeit dauerte, bis wir die Spitzmeilenhütte erreichten. Dort nach 7h30min und km 38 angekommen, füllten wir unsere Mägen mit Bouillon, Cola, frisch geschnittenen Gurken (herrlich!), Brot, Schokolade, Käse und warmen Isostar. Ja, warm... lecker ist was anderes... aber es erfüllte seinen Zweck.
Nach 10min Pause begaben wir uns voller Zuversicht, Motivation und Freude auf den Rückweg, der auf selben Strecke verlief. 5h nach den ersten erreichten wir jene Stelle, an denen uns die Führenden kreuzten (sie auf dem Rückweg von der Spitzmeilenhütte).
Zwar gings praktisch nur abwärts, das allerdings seine Tücken hatte. Nach knapp 10h und ca. km 50 wieder beim Verpflegungsposten in Weisstannen angekommen, spürten wie die negativen Höhenmeter, die zu einem Grossteil auf Asphalt absolviert wurden.
Uns es wurde dunkel:
Ein letztes Mal stärken und dann gings das Rennen bei km 53 richtig los. 1300hm auf den nächsten 10km waren geboten, steil wie die Sau, hart nach all den Höhen- und Laufmetern. Lediglich die Stirnlampe, die mittlerweilen seinen Platz vom Rucksack an die Stirn gewechselt hatte, gab uns ein bisschen das Gefühl von Behaglichkeit. Die Meter waren hart, die steilsten Abschnitte liefen mir sehr gut, dafür hatte Claus dort seine Mühen. In den flacheren Teilen hatte ich meine Mühen und Claus liefs rund. Kurz vor der Scharte, bevor es nur noch runterging, gabelten wir noch einen Briten auf, der den Wanderweg verlassen und nach dem Weg gesucht hatte.
Finish:
Meine Uhr zeigte 71km und 15h48min an, als wir beide überglücklich und mit einem Lächeln im Gesicht um 00.30 Uhr die Ziellinie in Furt überquert hatten. Wir hatten geschafft, wovon wir lange träumten: Die erste Ausgabe des Sardona Ultratrails haben wir überstanden, mit grosser Freude, viel Herzblut, Schweiss und auch ein bisschen Stolz absolviert.
Rückblick:
Nie hatte ich ernsthafte Zweifel daran, dieses Rennen finishen zu können. Dennoch unterschätzte ich es keinesfalls. Ich wusste, nur wenn ich mental stark bin, Schmerzen unterdrücke (die zum Glück erst auf den letzten 20km aufkamen) und durchbeisse, werden meine Anstrengungen von Erfolg gekrönt sein. Ich bin überglücklich, nach knapp 8 Monaten ernsthafter und teilweise gezielter Vorbereitung bereits einen Ultralauf absolvieren zu können. Meine über Jahre dauernden bergsteigerischen Betätigungen haben diesen Prozess sicher positiv beeinflusst, wenn auch gleich die Bewegungen, die Konditionsart etc. nicht dieselben sind.
Der Spaghettiteller und das grosse Panaché um 2 Uhr morgens waren wohl mitunter vom besten, was mir um diese Zeit passieren konnte. Herrlich...!
Fazit:
Man kann sich so vieles kaufen auf der Welt. Die Gefühle, die man beim Laufen eines Ultras und dessen Zieleinlauf erlebt, kann man (zum Glück) nicht kaufen. Das muss man sich hart erarbeiten. Aber wie es sich lohnt, dafür zu kämpfen..!
Erfolgreich zu sein verlangt das Selbstvertrauen, richtig entschieden zu haben und für diesen Entscheid auch leiden zu können.
In diesem Sinne: RUN ON!
Weitere Infos: http://www.sardona-ultratrail.com
Zahlreiche Bilder gibts hier: http://www.marathon4you.de/marathon/sardona-ultra-trail/2671
Weitere Infos: http://www.sardona-ultratrail.com
Zahlreiche Bilder gibts hier: http://www.marathon4you.de/marathon/sardona-ultra-trail/2671